Schulsystem
Wie funktioniert Schule in Tanzania?
15.07.2010
Nachdem Fußball-Deutschland jetzt wieder in die Normalität zurückgekehrt ist, möchte ich diesmal einen recht langen, recht theoretischen aber hoffentlich interessanten Bericht schreiben.
Das tanzanische Schulsystem unterscheidet sich vom Deutschen Schulsystem sehr.
Noch immer ist der Blick stark nach Europa gerichtet, zum Beispiel, was den Lehrplan angeht.
In diesem Bericht möchte ich das tanzanische Schulsystem vorstellen.
Ich stelle keinen Anspruch auf Vollständigkeit, obwohl der Artikel so schon recht lang ist. Viel mehr möchte ich ein möglichst vielseitiges Bild vermitteln
Inhalt
- Struktur
- Lehrplan/Fächer
- Finanzierung / Geld macht Schule
- Lehrerausbildung / Lehrer /ansehen des Berufes
- Bestrafungen
- Sonstiges
Struktur
Im Gegensatz zum deutschen Schulsystem ist das tanzanische linear aufgebaut. Den dreigliedrigen Weg gibt es hier nicht. Vielmehr durchläuft ein Schüler alle Schultypen.
Im Idealfall also
Kindergarten (auch hier heißt der Kindergarten Kindergarten)
V
Nursery School (optional)
V
Primary School (Pflicht) (~ Grund- und Hauptschule, Unterricht auf Swahili)
V
O-Level: Secondary School (~ Realschule, Unterricht auf Englisch)
V
A-Level: High School (~ Gymnasium, Unterricht auf Englisch)
V
Universität. (Unterricht auf Englisch)
Dennoch dauert die Schulausbildung bis zur Universität genauso lange wie in Deutschland (vor G8):
7 Jahre Primary (Standard one bis seven) + 4 Jahre Secondary (Form one bis four) + 2 Jahre High School (Form 5 & 6), macht zusammen 13 Schuljahre bis zur Hochschulreife.
Secondary und High School werden gerne als Secondary Education bezeichnet.
Es gibt zwei grundsätzlich verschiedene Schultypen: die "governmental" (staatlichen) und die "private" Schools.
Dabei gelten die staatlichen Schulen im Allgemeinen als nicht gut, die Lehrer in der öffentlichen Meinung der Menschen hier (vor allem der Lehrer unserer Schule) als Faul, und sie werden (sehr) schlecht bezahlt.
Dafür sind die Schulgebühren niedriger.
Die privaten Schulen dagegen bezahlen ihre Lehrer besser, haben im Landesvergleich die besseren Durchschnitte und gelten allgemein als "besser".
Die Abschlüsse der verschiedenen Schultypen in Deutschland gibt es auch hier. Allerdings bedeuten diese nicht eine in sich abgeschlossene Schulbildung, sondern, dass der Schüler die Schulbildung einfach irgendwann abgebrochen hat oder abbrechen musste.
Gründe zum Abbruch gibt es viele und "keine Lust" steht ganz hinten auf der Liste. In der Regel liegt es am Geld (siehe 3. Finanzierung), der Einstellung der Eltern gegenüber Schule oder (eher weniger) an den Noten.
Die Entscheidung, ab welchem Notenschnitt ein Schüler berechtigt ist, an die nächst höhere Schule (oder auch an die nächst höhere Klasse) zu wechseln, liegt effektiv bei der Schule.
Das Bildungsministerium lädt die Schüler die einen entsprechenden Schnitt haben ein, an eine staatliche Schule zu kommen. Die Entscheidung, dieser Einladung zu folgen, kann frei getroffen werden. Allerdings gehen die meisten Schüler dann doch auf eine private Schule.
Diese entscheiden in einem "interview" über die Tauglichkeit der Schüler, die dann in der Pre-Form One auf den Unterricht vorbereitet werden.
Dabei wird diese Entscheidung meiner Meinung nach (und sogar sehr wahrscheinlich) auf Grund der wirtschaftlich-qualitativen Lage der Schule getroffen: Ist die Schule Qualitativ gut, kann sie sich selbst zur "Eliteschule" machen, indem sie Schulgeld und Notenschnitt herauf setzt. Die Schule wird von Schülern mit wohlhabendem Elternhaus noch immer besucht. Stimmt das Preis-Leistungsverhältnis nicht, schicken die Eltern die Schüler auf eine bessere Schule. Wenige(r) Schüler bedeutet, die Schule gerät in finanzielle Schieflage. Konsequenz: Schulgeld und Notenschnitt werden gesenkt, die Schule bekommt mehr (schlechte) Schüler und mehr (gutes) Geld.
Dennoch läuft der Schulweg der meisten Schüler alles andere als linear.
Ein Szenario, das komisch klingt, aber genau so passiert:
Die Schülerin schließt pflichtgemäß die Primary School ab. Sie hat gute Noten und würde auch gerne weitermachen, aber die Eltern sind dagegen.
Das kann mehrere Gründe haben:
1.um im Haushalt zu helfen (bei der ältesten Tochter kann es gut sein, dass sie die Mutterrolle der zum Beispiel an HIV/Aids verstorbenen Mutter übernehmen muss, den Haushalt schmeißt und ihre Geschwister erzieht)
2.Die Tochter soll in (sehr) jungen Jahren heiraten.
Das hätte für die Familie den Vorteil, dass sie eventuell einen sehr guten Brautpreis (meist Ziegen, Kühe, etc. - für eine Familie sehr wertvolle Einnahme- und Nahrungsquellen) bekommt. Die Tochter wird für den Wohlstand der Familie verheiratet (verkauft ?!).
Dieses Szenario hängt aber sehr stark von Stamm und Einstellung der Eltern ab.
Bei den Maasai zum Beispiel kann man(n) durch geschickte Heiratspolitik sehr reich werden.
3.Das Mädchen wird schwanger. (bei uns in der Nachbarschaft der Fall)
4.Im einfachsten Fall sehen die Eltern keinen Sinn darin, Geld für die Bildung der Tochter auszugeben (bei Jungs aber meist schon...). Diese Haltung ist vor allem unter der einfachen Landbevölkerung verbreitet.
Egal mit welchem Szenario wir uns aufhalten, das Ergebnis ist in der Regel das selbe: Das Mädchen heiratet jung und bekommt früh Kinder. Allerdings sind die Eltern dann nicht mehr für die Bildung ihres Kindes verantwortlich. Diese Verantwortung wechselt zum Ehemann. Der wiederum kann entscheiden, die junge Frau wieder in die Schule zu schicken.
Dann Kann es vorkommen, das eine Frau mit 25 Jahren wieder in Form 1 geht.
So geschehen mit der Frau eines unserer Lehrerkollegen.
In der Regel wird den Söhnen eine bessere Bildung ermöglicht wieder mit Blick auf die Familie. Schließlich wird den Jungs eher zugetraut "Big Business" zu machen und dabei springt im Besten Fall wieder etwas für die Eltern raus...
Im allgemeinen gilt: der Aus- und Wiedereinstieg aus / in die Schule läuft problemlos und beliebig, vorausgesetzt man sucht sich die "richtige" Schule aus.
Alle zwei Jahre wird die Leistung der einzelnen Schüler und der ganzen Schule in Form von "National Exams" getestet. Wie der Name schon sagt, sind diese Examen national und damit tanzaniaweit gleich.
Geprüft wird dabei jedes Fach. Korrigiert von schulfremden Lehrern. Die Examen sind nicht mit Namen, sondern mit Nummern versehen. Alles so, wie bei uns beim Abitur.
Allerdings waren bei uns an der Schule zu den Abi-Prüfungen keine Polizisten da, die die korrekte Durchführung der Examen sicherstellen und Schummeln (zum Beispiel die vorherige Bekanntgabe der Lösungen durch die Lehrer) verhindern sollen. Wie sie das aber wirklich anstellen weiß ich nicht... Vielleicht zur Abschreckung.
Bisher sah ich sie nur auf dem Schulhof rumsitzen. Überhaupt nicht abschreckend...
Lehrplan / Fächer
Ohne richtige Überprüfung gebe ich hier einfach eine Bemerkung weiter, die ich allerdings jetzt schon von verschiedenen Leuten so gehört habe und mit Blick auf den "Computer Science" Lehrplan auch für wahrscheinlich halte:
Große Teile des tanzanischen Lehrplanes sind aus dem englischen Lehrplan übernommen.
Das kann ein Relikt der Kolonialzeit sein, in der Großbritannien Tanzania nach dem ersten Weltkrieg von den Deutschen (ja, Tanzania war als "Deutsch-Ostafrika" deutsche Kolonie) übernommen hatte. Auf jeden Fall haben die Briten das tanzanische Schulsystem in die heutige Richtung gelenkt.
Außerdem sind die Lehrpläne oft nicht für Tanzania ausgelegt. Und das merkt man.
Wie soll man (ohne abwertend wirken zu wollen) einem Bauernkind vom Land, das noch nie an einem Computer saß, in Form 3 Datenbanken und HTML (für Laien: so etwas ähnliches wie eine Programmiersprache) und im A-Level dann richtiges Programmieren beibringen?
Aber vermutlich gibt es hier Fächer, die in GB nicht auf dem Stundenplan stehen. Agriculture (Landwirtschaft) zum Beispiel.
Ansonsten gibt es "nur" die normalen Fächer: Mathe, Kiswahili, Englisch, Biologie, Physik, Chemie, etc.
Musik und Kunst habe ich hier noch nie als Fach bewusst entdeckt, auch Sport ist so eine Sache... Unsere Sportsmaster sind nur zu dem Fußballevent am Anfang unserer Zeit in Erscheinung getreten. Trotzdem steht auf dem Stundenplan dick "Sports & Clubs". Schade eigentlich, viele Schüler hätten sicher großes sportliches Potential...
In der Secondary School dürfen die Schüler ihre Fächer selbst wählen. Aber erst ab Form three. Davor haben die Schüler mindestens 11 Fächer (u.a. Mathe, Englisch, Kiswahili, Civics, Georaphy, History, etc.). Zusätzlich dazu können die Schüler noch andere Fächer haben. Das hängt von der Schule ab. Bei uns fällt zum Beispiel Computer Science darunter.
Danach, also ab Form 3 können die Schüler Fächer (2) wählen, 7 sind Pflicht. Wiederum können je nach Schule andere Fächer (zum Beispiel auch Bookkeeping, Economics, etc.) dazukommen. 9 müssen es aber mindestens sein.
Im A-Level wird dann richtig gewählt. Effektiv bleiben nur 3 Fächer (aber jeweils 2 verschiedene Kurse mit unterschiedlichen Lehrern) übrig. Dabei kommen Kombinationen wie zum Beispiel HKL (History, Kiswahili, Language) zustande. Da es je zwei Kurse des gleichen Fachs (z.B. History 1 (über Afrika) und History 2 (Andere Kontinente, v.a. Europa & Nordamerika)) gibt, macht das 6 Fächer plus GS (General Studies). Und bei uns an der Schule plus Computer Science.
Welche Kombinationen angeboten werden kommt auf Schule und die Wahl der anderen an. Gleiche Kombinationen sind in der gleichen Klasse. Individualisten wie bei uns in der Oberstufe, in der die wenigsten die gleichen Kombinationen haben, gibt es hier nicht.
Finanzierung Geld macht Schule
Prinzipiell sind Primary Schools kostenlos es sei denn, sie sind privat.
Aber theoretisch wird jedem Kind vom tanzanischen Staat ein Schulabschluss ermöglicht, der wohl am ehesten mit unserem Hauptschulabschluss vergleichbar ist.
Danach werben die staatlichen Schulen um die Schüler (s. 1.). Obwohl die staatlichen Schulen fast nichts kosten (unbestätigte Quellen sprechen von 20.000 TZS (day schoolers) bzw. 70.000 TZS (Internat) pro Jahr!) versuchen die meisten Eltern wenn es nur irgendwie geht ihre Kinder auf eine private Schule zu schicken. Die staatlichen sind einfach zu verrufen.
Allerdings gibt es auch in den privaten Schulen deutliche Unterschiede - und die kosten Geld.
Ein Beispiel:
An unserer Schule kostet ein Halbjahr über 500.000 TZS (ca. 250 ).
An der Pandahill, der Schule an der unsere Kollegen Felix und Felix arbeiten, das doppelte.
Dafür hatte Pandahill im Fach Kiswahili (so heißt die Landessprache hier) den viert besten Schnitt im tanzaniaweiten Vergleich.
Aber zum Beispiel auch die Englischkenntnisse Unterscheiden sich stark. Meine Form Four haben immer noch Probleme mit der Sprache. Vielleicht weil die meisten von einer "billigeren" Primary kommen. In Pandahill gibt es weniger Probleme. Vermutlich können die Eltern der Kinder dort mehr Geld in die Schulbildung der Schüler investieren...
Wer mehr bezahlt, bekommt auch mehr. Dafür bleibt die Gleichberechtigung auf der Strecke...
Lehrerausbildung und Ansehen des Berufes
In Deutschland wird der Lehrerberuf studiert. Egal, ob man später an Grundschule oder Gymnasium unterrichten will, der Weg ist im Grunde der gleiche für alle Schultypen.
Anders hier in Tanzania:
Für den Unterricht an einer Primaty School reicht es, Form Four erfolgreich (erfolgreich heißt angeblich "nur nicht durchfallen...") abzuschließen und nach ein zwei Jahren College kann es mit dem Unterricht losgehen.
Übersetzt ins deutsche Schulsystem heißt das in etwa: Realschule fertig machen dann Berufskolleg oder (Berufs-)Oberschule (wie in Ba-Wü, aber ohne vorherige Berufsausbildung) und dann ist man Lehrer.
Will man in einer Secondary School unterrichten, ist der Ausbildungsweg der selbe, nur dass man das College 3 statt 2 Jahre besuchen muss.
Nur zum unterrichten der High School ist ein Abschluss des A-Levels (High School) und anschließendes Universitätsstudium notwendig.
Allerdings soll es auch andere Wege in den Schuldienst geben: Unser direkter Kollege hat zum Beispiel "nur" einen 3-Monatigen Kurs gemacht, für den nur der Abschluss des A-Levels nötig ist und der ihn zum unterrichten des O-Levels befähigt.
Allerdings hat er mir dies selbst noch nicht bestätigt, er redet eigentlich nicht über seine Schulausbildung...
Ich hab schon mit Leuten (keine Lehrer) geredet, die meinten, dass der Lehrerberuf vor allem für die interessant ist, die nicht viel arbeiten wollen, ein festes Gehalt und eine sichere (44% der Bevölkerung sind unter 15 Jahre alt (Wikipedia, 09.07.2010) Lehrer werden gebraucht) Anstellung.
Das mag vielleicht für Primary und Secondary Lehrer zutreffend sein, die Referendare von der Uni, die ich kennen gelernt habe, sind aber auf jeden Fall hoch motiviert, und auch hier ist die Universität nicht ganz billig.
Aber im Allgemeinen ist das Bild der Lehrer eher mittelmäßig in der Bevölkerung.
Vor allem das mit der Faulheit der Lehrer hält sich hartnäckig ist aber auch nicht ganz unbegründet, zumindest an unserer Schule nicht. Ein Lehrer hat hier selten mehr als 15-20 Wochenstunden Unterricht. Und das wäre schon viel. Den Rest des Schultages sind die Lehrer irgendwo auf dem Schulgelände unterwegs. Der Vollständigkeit halber sei gesagt, dass auch wir uns sicher noch nicht überarbeitet haben. Aber im Gegensatz zu den meisten (nicht zu allen!) anderen Lehrern bereiten wir unseren Unterricht vor.
Einer der Lehrer hat mir vor einiger Zeit seine "Lebensgeschichte" erzählt.
Nach seiner eigenen Schulausbildung habe er als Farmer gearbeitet, auf der elterlichen Farm und, so wie ich das verstanden habe, auch als eine Art "Erntehelfer".
Da es auch hier in Tanzania einen Wehrdienst gibt (mal gibt es ihn, mal nicht, mal verpflichtend, mal nicht... keine Ahnung wie es im Moment ist...) sei er dann in das Militär eingetreten und habe sich auf 5 Jahre verpflichten lassen. Begründung: gutes Gehalt und Tanzania ist seit langem friedlich also nicht viel zu tun, immer viel Sport.
Aber nach Ablauf seiner Frist habe er sich dann gedacht, dass das wohl doch nicht so das richtige ist. Erstens könne er nicht auf Menschen schießen und zweitens sei ihm das Risiko, vielleicht doch mal ernsthaft eingesetzt zu werden und vielleicht sogar zu sterben zu hoch. Besonders, wenn er daran denkt, eine Familie zu gründen.
Nach dem Militär habe er dann als Köhler und in anderen "kleineren" Berufen "gejobbt" und sich dann schließlich für den Schuldienst entschieden mit fast den gleichen Annehmlichkeiten wie beim Militär, aber ohne das Risiko (seine eigene Aussage).
Wie viel Wahrheitsgehalt in dieser Geschichte liegt weiß ich nicht. Aber sie würde auf das allgemeine Bild der Lehrer passen...
Bestrafungen
"Die Vertragsstaaten treffen alle geeigneten Gesetzgebungs-, Verwaltungs-, Sozial- und Bildungsmaßnahmen, um das Kind vor jeder Form körperlicher oder geistiger Gewaltanwendung, Schadenszufügung oder Misshandlung, vor Verwahrlosung oder Vernachlässigung, vor schlechter Behandlung oder Ausbeutung einschließlich des sexuellen Missbrauchs zu schützen, solange es sich in der Obhut der Eltern oder eines Elternteils, eines Vormunds oder anderen gesetzlichen Vertreters oder einer anderen Person befindet, die das Kind betreut." (UNICEF, Konvention über die Rechte des Kindes, 1989, Artikel 19 - Schutz vor Gewaltanwendung, Misshandlung, Verwahrlosung)
Auch Tanzania hat unterschrieben.
Nicht, das das Land der Konvention nicht nachkommen würde. Im Gegenteil: Eine Maßnahme hat das Land getroffen.
Regel ist: zur Bestrafung darf geschlagen werden. Mit dem Stock.
ABER nur 2 Schläge auf die Handinnenfläche (bei Mädchen) bzw. 2 Schläge auf den Hintern (angezogen, bei Jungs). Alles, was darüber hinaus geht bis maximal 6 Schläge muss schriftlich beim Headmaster "beantragt" werden.
Trotz der Schönen Regelung sieht es bei uns an der Schule doch noch recht willkürlich aus.
Bisher habe ich noch nie mitbekommen, dass ein Lehrer beim Headmaster nachgefragt hätte, ob er Schlagen darf. Und leider gibt es einige jederzeit Schlag-fertige Lehrer, die den Schlagfaulen auch gerne behilflich zur Seite stehen.
So ist es mir auch schon ergangen. Da ich grundsätzlich meine Schüler nicht schlage, habe ich andere Dinge auf Lager, mit denen ich bestrafen kann.
Als meine Form III Schüler (schon vor längerer Zeit) im Computerlab nur Spiele gespielt und Musik gehört haben, anstatt ihre Aufgaben zu machen, habe ich wiederholter Verwarnung den Strom ausgemacht und alle Schüler mit einer theoretischen Aufgabe raus geworfen. Die Stunde war so wie so fast um. Einige Zeit später ruft mich Dominic an, zwei Kollegen hätten meine Schüler im Schulhof versammelt, und nach mir gefragt...
Also schnell hin.
Tatsächlich, standen alle Schüler da herum, keiner von ihnen wusste wirklich was los war. Die beiden anderen Lehrer meinten dann, ich hätte die Schüler nicht bestraft, nachdem sie meinen Unterricht gestört hatten. Ich weiß bis heute nicht, woher die beiden wussten, dass einige Schüler Blödsinn gemacht haben. Auf jeden Fall entbrannte eine heiße Diskussion zwischen uns dreien, die sich aber effektiv nur im Kreis drehte.
Eine Diskussion kann nur funktionieren, wenn beide Seiten die Argumente der anderen hören und darauf eingehen. Allerdings bekam ich die ganze Zeit, immer mit anderem Text aber selben Inhalt, nur zwei reichlich (sorry) dumme - Argumente zu hören:
- Es geht in Afrika nicht anders. (So ein Blödsinn. Natürlich geht es anders, man braucht gar nicht weit zu gehen, selbst hier in der Stadt gibt es andere Schulen komplett ohne körperliche Strafen...)
- Wenn die Schüler einmal geschlagen werden, dann machen sie keine Fehler mehr. (Erziehung durch die Angst vor dem Stock... Funktioniert nur leider überhaupt nicht. Sonst könnte man die Schüler ja einmal schlagen und hätte den fehlerfreien (gilt nicht nur für Fehler außerhalb des Unterrichts. Auch fachliche Fehler werden ab und zu mit Schlägen bestraft...) Schüler.)
Zum Glück haben meine Schüler während unserer Diskussion sich klammheimlich aus dem Staub gemacht.
Ich glaube es liegt nicht daran, dass "es in Afrika nicht anders geht", sondern vielmehr an dem Gefühl der Macht, das einige Lehrer haben, wenn sie mit dem Stock umher spazieren.
Es gibt natürlich auch Lehrer die nicht Schlagen. Aber körperlich sind die meisten Strafen dann doch irgendwie, aber meist eher sportlich/anstrengend.
Sonstiges
Hier in Tanzania ist etwas selbstständig, was bei uns an der Schule ständig diskutiert wurde und im Deutschunterricht das wohl beliebteste Erörterungsthema aller Zeiten ist: Schuluniformen.
Bei uns an der Schule ist die besteht die Uniform aus einem weißen Hemd für alle, grünen Röcken und Krawatten für die Mädchen und schwarzen Hosen mit schwarzen Krawatten für die Jungs.
Zusätzlich ein blauer Pullover für kalte Tage und freitags (manchmal auch donnerstags nach welcher Regelmäßigkeit weiß ich nicht....) das blaue Schul-T-Shirt mit dem Schullogo.
Alles Überhaupt keine Diskussion. Wahrscheinlich haben die Engländer das ihrer Zeit mitgebracht.
Ich halte die Schuluniformen hier auf jeden Fall für sehr wichtig. Da die Schüler (sehr!) unterschiedliche familiäre Hintergründe haben, i.d.R. aus Großfamilien kommen, manchmal auch keine Eltern mehr (HIV/AIDS) haben, sind die finanziellen Verhältnisse der Schüler sehr unterschiedlich. Das würde sich sofort in der Kleidung widerspiegeln. Und das wiederum zu Diskriminierung und Ausgrenzung unter den Schülern führen.
Andere Statussymbole (Handys, etc.) sind an der Schule eigentlich komplett verboten.
Im Gegensatz zu den Uniformen gibt es an der Schule aber auch einige Dinge, die ich weniger toll finde. Und das sind nicht nur die Bestrafungen.
Zum einen werden Schüler von den Lehrern gerne für alles mögliche eingesetzt.
Bring mir eine Soda, bring mir Guthaben für mein Handy, bring mir dies bring mir das...
Und das richtet sich in der Regel nicht nur an die Schüler, die etwas verbrochen haben. So als Bestrafung oder so. Nein.
Ein Schüler muss nur den Fehler machen, zur falschen Zeit am falschen Ort, d.h. in Sichtweite eines Lehrers, der irgend etwas braucht, zu sein.
Aber nicht nur Botendienste sind gefragt. Auch zum Beispiel Hilfe beim Korrigieren der Klassenarbeiten. So korrigieren dann beispielsweise Form VI Schüler die Examen der Form II Schüler. Der Lehrer trinkt seine frisch angelieferte Soda, trägt die Verantwortung und maßgeblich zum schlechten Bild der Lehrer (=> Faulheit, s.o.) bei.
Zum anderen gibt es auch für die Klassengrößen eine einfache Faustregel: ab maximalst (ja, ich steigere auch das Maximum. Zumindest in diesem Fall...) 45 Schülern sollte die geteilt werden.
Ich habe eine Klasse mit mehr als 100 Schülern. Nicht einmal in der Verwaltung kennt man die genaue Zahl.
Begründung an unserer Schule: kein Geld für neue Räume.
Dafür kann die Schule einen LKW anschaffen (zwar schon vor 2 Jahren, die Schulden sind aber immer noch nicht beglichen...). Man hat das Geld ja an anderer Stelle eingespart.
Schließlich ist ein LKW aber auch gut für den ruf der Schule außerhalb. Den sieht das breite Volk. Klassenzimmer fahren nicht herum und sind für die meisten Normalsterblichen, da innerhalb des Schulgeländes, nicht sichtbar.
Außerdem sind Klassenzimmer ja etwas sooo normales.
Da ist ein LKW doch was ganz anderes....
Und die einfache Formel: Mehr Aufmerksamkeit = mehr Bekanntheit = mehr Ansehen = mehr Schüler = (Trommelwirbel...) mehr Geld.
Effektiv bringen aber mehr Schüler erst einmal nicht mehr Geld, sondern nur noch weniger Platz in die Klassenzimmer....
Irgendwie nicht ganz zu Ende gedacht.
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