Lake Ngozi
Aberglaube im schweißtreibenden Paradies (Nachtrag zum 21.09.2009)
30.11.2009
Da hier an der Schule im Moment nicht besonders viel spannendes passiert, habe ich hier den versprochenen Artikel über den Lake Ngozi.
Trotzdem kurz ein Wort zur Schule:
In den letzten Tagen fanden die Prüfungen für die O-Level Schüler, also im Moment für die Form I bis III, da die Form IV schon lange nicht mehr hier sind, statt.
Jetzt ist das Schuljahr für O-Level zu Ende, die A-Level, mit denen wir aber nichts zu tun haben, haben noch Schule.
Für uns heißt das – wie für die Schüler auch – Ferien bis zum 11.1.2010. Diese Zeit werden wir nutzen, um mehr vom Land zu sehen, als nur Mbeya und seine nähere Umgebung.
Übrigens gibt’s bei den Downloads Placemarks für Google Earth, die unser Haus, die Schule und den Ort Igawilo zeigen.
Jetzt aber auf zum See!
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Tief unten, aber immer noch auf etwa 2200m, liegt „der Ältere“ inmitten eines dichten Regenwaldes der sich die enorm steilen Innenwände des Ngozi-Kraters hinaufzieht.
Nebelschwaden liegen schwer über dem Tal, als wir früh morgens den Ngozi Peak erreichen.
Vor uns bricht der Fels und damit auch der Wald, aus den wir kamen, steil ab.
Langsam wandert der Blick über den See 400m unter uns. Die ersten Sonnenstrahlen erreichen gerade den Grund des Kraters und das Wasser. Hinter der gegenüberliegenden Kraterwand erstreckt sich eine weite, leicht hüglige Landschaft. Der Ausblick ist atemberaubend.
Es sind nur die Stimmen der Vögel aus dem Wald hinter und tief unter uns zu hören.
Zum genießen.
Wären da nicht die Jubelschreie und das Geplapper der Kinder die gerade entdeckt haben, dass man auf unseren Digitalkameras die geschossenen Bilder gleich anschauen kann. Diese Kinder, die hier schon saßen als wir ankamen, sollten heute unsere Führer sein, wie wir jetzt erfahren.
Zweifel kommen auf.
Die Kinder, das älteste kaum 12 Jahre alt, barfüßig und zum Teil mit Machetee bewaffnet, sollen uns zwei Deutsche mit großen Wanderrucksäcken und guten Schuhen heil den Hang runter bringen und vor den Gefahren des Regenwaldes beschützen?
Für die restlichen Lehrer unserer Schule, die mit uns gekommen sind, scheint das selbstverständlich zu sein.
Und auch wir müssen bald erkennen, dass die Kinder uns hier überlegen sind. Während wir mehr oder weniger elegant den Berg in Richtung Wasser herunterrutschen, springen die Kinder uns leichtfüßig voraus.
Endlich am See angekommen werden uns so einige mystische Geschichten über den See, den Wald und die heißen Quellen, die sich auf dem Weg zum Krater finden, erzählt.
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Schon auf dem Weg zum See lauern Gefahren. Die Heißen Quellen die oberhalb des Weges liegen, haben vernichtende Wirkung: Springt man(n) über die Quellen, ist es aus mit der Familienplanung. Außer der Manneskraft vernichtet die heiße Quelle aber auch alle elektrischen Geräte, mit denen man über die Quelle gesprungen ist.
Einer unserer Lehrer hat auf Uran als Ursache getippt, dem kann ich mich dann aber nicht anschließen.
Die Früchte, die in dem Regenwald um den See herum wachsen, können Gefahrlos gepflückt und gegessen werden. Wer aber Feuerholz schlägt, muss sich auf heftigen Regen manchmal sogar mit Gewittern einstellen. Dieser Regen läd sich aber nur über dem ab, der Holz geschlagen hat.
Diese Geschichte, die ich auch schon für andere Wälder gehört habe, erinnert mich irgendwie an einen Comic...
Auf dem See selbst gibt es große entenartige Vögel, die sich weder mit einer Waffe, noch mit Netzen, noch auf sonst eine Art fangen lassen. Sie verschwinden einfach und erscheinen an anderer Stelle wieder.
Wer versucht über den See zu schwimmen, wird keinen großen Erfolg haben.
Alle, die es bisher versucht haben – selbst mit Boot - , sind nie wieder aufgetaucht.
Selbst zwei Weise (in den Geschichten meist die Leidtragenden), Engländer angeblich, die es mit einem Trick probiert haben, scheiterten. Sie banden einen an einem Seil fest, der dann über den See schwimmen sollte.
Hinter einem bestimmten Punkt im See, der mit einem Baumstamm markiert ist, war plötzlich kein Zug mehr auf dem Seil. Als der zurückgebliebene das Seil herauszog, war der andere verschwunden...
***
Zurück zur Realität (oder sind die Geschichten auch real?!).
Während der Abstieg noch recht einfach war (rutschen), wird der Aufstieg zur anstrengenden Kletterpartie. Auf dem feinen Sand der hier alles bedeckt hat man kaum Halt und ist froh um jeden Baum, Busch oder Grasbüschel, an dem man sich ein Stück hochziehen kann, ohne gleich wieder herunterzurutschen.
Verschwitzt kommen wir wieder auf dem Ngozi Peak an.
Inzwischen hat sich der Nebel gelichtet und die Aussicht ist noch atemberaubender als am Morgen.
Hier auf dem Gipfel trennen wir uns wieder von den Kindern. Sie gehen wieder ihrer Arbeit – dem sammeln von Holz im Wald nach (Regenwolken habe ich keine gesehen...) – und hohlen uns auf dem Rückweg mit großen Holzbündeln auf dem Kopf ein.
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