Einmal Matema und zurück
Der Weg ist das Ziel
24.02.2010
Die Fahrt von Mbeya nach Matema dauert ca. 6 Stunden und kostet so gut wie nichts.
Oder man braucht für die gleiche Stecke 7 Tage und zahlt auch nicht besonders viel mehr.
Und hat dabei den Spaß, von den Tansaniern (und zwar so ziemlich von jedem, den man trifft) für verrückt erklärt zu werden.
(Bilder: gibt's in der Galerie!)
01.12.2009; Igawilo – Lake Ngozi – Isongule (dann aber doch Kiwira)
Früh am Morgen werden die letzten Ausrüstungsgegenstände an den Rucksack geschnürt und, nach einem Startfoto kann es losgehen.
Die Sonne scheint, die Stimmung ist gut und das erste Ziel schon in Sicht: der Ngozi Peak. Bekanntes Terrain für mich. Zusätzlich unterstützt uns bei der Wegsuche mein GPS-Empfänger, der am Wegrand kleine Fähnchen aufstellt. Hightech-Schnitzeljagd inmitten des afrikanischen Busches.
Der Aufstieg lässt sich ohne Probleme meistern und endet am Kraterrand an bekannter Stelle hoch über dem See.
Beim Picknick auf einem Bananenblatt lässt sich die Aussicht wirklich genießen – diesmal sogar ohne Nebel. Da stören weder der Käfer, den ich aus einer Mango schäle, noch das etwas ausgeblichene Eigelb unserer Halbe-Stunde-Eier („Sind die Eier eigentlich noch auf dem Herd?“).
Nach unserer ausgiebigen Mahlzeit werden die restlichen 10 km bis zum heutigen Tagesziel Isongule für machbar befunden und die Rucksäcke - um gefühlte 2kg leichter wieder geschultert.
Es gibt sogar einen Weg, der auf dem Kraterrand in die richtige Richtung führt. Zumindest für all jene, die etwas Phantasie, einen Kompass und eine Panga (Machetee) mitbringen.
Scheinbar läuft hier in der Regenzeit nicht so oft jemand herum. Auch der Regenwald beim Aufstieg war schon recht dicht und zugewachsen, aber noch ohne Hindernisse passierbar. Hier ist jetzt schon Handarbeit gefragt.
Plötzlich fällt der Weg steil nach links (weg vom See) ab und führt ebenso plötzlich wie unerwartet in einen Bambuswald. Nach einer kurzen Strecke treffen wir – auch ziemlich unerwartet (für beide Seiten, glaube ich) – auf Menschen.
Einige Männer, die in einem Lager mitten im Wald aus dem Bambus Körbe flechten.
Wir fragen nach dem schnellsten Weg nach Isongule. Die Männer zeigen uns die Richtung.
Der Weg ist gut, der Boden ist angenehm weich – es läuft sich gut hier.
Dann passiert es: hier, wo alles gleich aussieht, kein markanter Baum steht (Bambus wächst dummerweise nur nach oben...) haben wir den Weg verloren.
Ein kurzes Stück zurück, kein Weg... Wir entscheiden uns, einfach weiter zu laufen. Kann ja nicht so schwer sein. Schließlich sind wir mit zwei GPS-Empfängern, einem Kompass und einer Karte Top ausgestattet.
Fluchs die Richtung gepeilt – noch ca. 5km Luftlinie und weiter geht's.
Der Wald um uns herum wird immer dichter. Ständig kreuzen tiefe Taleinschnitte unseren Weg, die entweder umlaufen werden müssen – oder man rutsch herunter und kämpft sich auf der anderen Seite wieder hoch. Der Boden ist nicht mehr angenehm weich sondern morastig.
Der Wald wird noch dichter, wir bleiben mit unseren Rucksäcke immer öfter zwischen den Bambuspflanzen stecken. Die Panga muss wieder ran. Wir kämpfen uns vorwärts.
Vorher hatten wir eine Durchschnittsgeschwindigkeit von 4km/h, nicht besonders schnell, aber wir wollen ja Wandern, nicht rennen. Jetzt haben wir einen Schnitt von 400m/h.
Auch nicht besonders schnell.
Langsam wird es spät, wir sollten endlich aus dem Wald raus.
Da entdecken wir einen kleinen Weg, der in ein Tal hinunter führt. Steil, aber breit genug um sich nicht durch kämpfen zu müssen. Der Weg führt zu einer kleinen Bananenplantage, die aber sehr verlassen aussieht, und endet dort. Wahrscheinlich ging er mal weiter, ist jetzt aber total zugewachsen. Ein Durchkommen ist nicht möglich.
Wir gehen wieder zurück.
Die Stimmung ist am Boden.
Eine Entscheidung muss her. Die genaue GPS-Position hilft uns nicht weiter, holen kann uns niemand. Wir müssen alleine hier raus. Am nächsten Tal steht unsere Entscheidung fest: Es hilft alles nichts, wir müssen Höhe verlieren. Und das so schnell wie möglich. Wir steigen in das Tal hinab. Das heißt, wir kämpfen uns bis zur Talsohle vor.
Der letzte Proviant wird ehrlich geteilt. Dann geht es weiter: mit der Panga durchs Dickicht, langsam aber stetig.
Dann, die Erlösung: der Wald, inzwischen wieder Regenwald, wird lichter und weicht dann ganz zurück. Wir sind draußen. Bald finden wir sogar einen richtigen Weg, der uns nach Isongule bringt.
In dem kleinen Ort suchen wir nach einem Guesthouse und fragen nach dem Fischercamp, in dem es, laut Reiseführer, Übernachtungsmöglichkeiten geben soll. Keiner, den wir fragen, hat jemals von dem Camp gehört. Die nächste Entscheidung wird fällig, es dämmert schon.
Wir entscheiden, mit dem Bus bis zum morgigen Ziel zu fahren. Unser Weg wäre so wie so entlang des Hemingways gewesen.
Abends treffen wir in Kiwira auf den zweiten Felix aus Songwe. Wir suchen ein Guesthouse und finden tatsächlich auch eines.
Dieser Tag sollte zum Maßstab aller anderer Etappen auf unserer Tour werden und uns jeden Abend mit dem Wissen einschlafen lassen: Schlimmer kann es nicht kommen.
02.12.2009; Kiwira – Marasusa Falls -Kiwira - Rungwe
Nach einem kurzen Check unserer Karte sehen wir, dass die Marasusa Wasserfälle nur 3 km von Kiwira entfernt, zwar nicht in unsere Richtung, aber das macht mit den kurzen 10km bis Rungwe nur eine Tagesgesamtlänge von nur 16km. Nicht besonders weit.
Wir lassen uns morgens Zeit, haben ja nicht viel vor uns.
Nach einem gemütlichen Frühstück und einigen Einkäufen auf dem Markt laufen wir los.
Der kleine Fluss, der wohl zu dem Wasserfall führt, den wir suchen, ist in Hörweite. Das soll auch die ganze Zeit so bleiben...
Nachdem die Navigationseinheit 3,5km meldet, fragen wir eine Gruppe junger Frauen und Kinder, wo denn die Wasserfälle seien. Wir sollen weiter der Straße folgen (Wenn ich hier als von „Straße“ rede meine ich damit etwas, was in Deutschland vielleicht als besserer Feldweg durchgeht.)
Noch ein Kilometer weiter, noch immer keine Wasserfälle.
Mit dem ständigen „Bado.“ („(immer) noch“, „noch nicht“) unserer Begleiter können wir auch nicht besonders viel anfangen, vor allem nicht bei der Frage, wie weit es noch ist.
Kurze Zeit später sind wir wieder alleine. Aber nicht lange.
Eine Mama ruft uns hinterher, wo wir denn hin wollten. Sie gibt uns eines ihrer vielen Kinder als Führer mit.
Es bleibt aber nicht bei diesem einen Führer. Bald haben wir eine ganze Schar Kinder um uns herum.
Und endlich biegen wir auch von der Straße ab und rutschen einen recht schmalen Weg hinunter. Man hört den Wasserfall schon.
Wir haben es geschafft. Nachdem der Wasserfall nun doch etwas weiter – um genau zu sein: so ziemlich doppelt so weit – entfernt war, wie in der Karte angedeutet.
Als wir wieder aufbrechen wollen fängt es an zu regnen. Durch den Regen ist der Rückweg zur Straße nicht nur steil sondern auch extrem rutschig. Oben angekommen, entscheiden wir, bei der nächsten Gelegenheit ein Lifti (Mitfahrgelegenheit) zu nehmen.
Mit ca. 15 anderen Leuten zwängen wir uns auf die Ladefläche eines Pickups, auf der auch schon einige Bretter und Kanister stehen.
Aber es war die richtige Entscheidung, wie sich schnell herausstellen sollte: kurz nachdem wir Kiwira wieder erreicht haben, fängt es wieder an zu regnen.
Nach dem Regen haben wir Glück: wir kommen trocken in Rungwe an – und sind erst einmal verblüfft. Wir haben uns von dem Ort irgendwie mehr versprochen.
Hier gibt es eigentlich nur die Rungwe Mission und ein paar kleine Hütten. Und definitiv kein Guesthouse.
In der Mission bietet man uns an, hier für 10.000TSZ (~5€) übernachten zu können. Recht teuer, wenn man bedenkt, dass wir in der letzten Nacht nur 3.000TZS gezahlt haben...Wir sind etwas unentschlossen, was wir machen sollen, da sagt uns jemand, dass in dem Ort seit kurzem noch ein anderer Mzungu (Weißer) wohnt.Wir hoffen auf ein Lifti nach Tukuyu, den nächsten größeren Ort. Oder zumindest bis an den Highway. Aber dann kommt alles ganz anders...
Es stellt sich heraus, dass der Weiße eine Frau (Swahili unterscheidet in der 3. Person Singular nicht zwischen den Geschlechtern) ist, die seit 4 Wochen in dem kleinen Ort wohnt und – eine Deutsche ist!
Für uns heißt das vor allem: leckeres Essen, billig, weil kostenlos, übernachten und viele interessante und spannende Geschichten aus dem Leben einer Entwicklungshelferin, die seit Jahren in Afrika unterwegs ist.
Am Abend treffen wir noch eine wichtige – und vermutlich auch richtige Entscheidung: wir laufen nicht mehr wie geplant weiter Richtung Osten und damit weg vom Highway, sondern wieder zurück zu selbigem. Die Guesthousedichte wird mit jedem Kilometer, den man sich von der großen Teerstraße entfernt, immer geringer.
03.12.2009; Rungwe - Tukuyu
Aus Rungwe kommen wir lange nicht mehr los. Erst am späten Vormittag verabschieden wir uns und ziehen weiter. Über diesen Tag gibt es nicht viel zu berichten.
Nach 6km durch riesige Teeplantagen treffen wir wieder auf einen alten Bekannten: den Highway.
Da das lange schwarze Ding aber eine Schnellstraße ist, passen auch wir unser Tempo an und marschieren im Laufschritt (zeitweise sogar mit einem 6km/h Schnitt) unserem Ziel entgegen. Vielleicht liegt die Geschwindigkeit aber nicht am Highway, sondern an dem bedrohlich aussehenden Gewitter, das uns anschiebt – wer weiß?!
04.12.2009; Tukuyu – Kaparowe Falls - Tukuyu
Der vierte Tag dürfte eigentlich gar nicht zu unserer Wanderung nach Matema zählen. Wir laufen in komplett falsche Richtung zu einem Wasserfall (Kaparowe) und kommen abends wieder nach Tukuyu zurück.
Von Tukuyu lassen wir uns in den Nachbarort fahren, vom Highway haben wir inzwischen genug gesehen, so interessant ist der auch nicht, dass wir hier noch länger entlangwandern müssen.
Als uns nach einigen Kilometern ein Lastwagen zum Mitfahren einlädt nehmen wir dankend an. Meine Wanderschuhe sind scheinbar etwas zu klein und die daraus resultierenden Blasen fallen unangenehm auf beim Laufen.
Nahe bei den Wasserfällen werden wir abgesetzt. Mit uns auch zwei andere, die mit uns mitlaufen.
Am Wasserfall verlangen die beiden dann Geld dafür, uns geführt zu haben. Ziemlich dreist, finden wir. Wir haben ihnen eigentlich gesagt, dass wir wissen, wo wir den Wasserfall finden. Außerdem haben wir neben der genauen GPS-Position auch Felix, der am vorigen Wochenende schon dort war.
Und sie haben nie wirklich gesagt, dass sie sie uns gerade „führen“.
Am Ende geben wir doch was.
Ich stelle mir die Frage, ob wir damit den beiden etwas gutes tun, oder nur die Einstellung fördern, dass Weiße viel Geld haben, das sich einfach abziehen lässt. Es war für sie auch kein Umweg, ihr Dorf ist in Sichtweite (wenn man durch Bananenstauden gucken kann...).
Kurze Zeit später kommt ein älterer Mann, der wiederum Geld von uns will. Diesmal für das Anschauen des Wasserfalles selbst. Wir wittern einen weiteren Betrugsversuch und zahlen nicht.
Rückblickend betrachtet, definitiv die falsche Entscheidung. Selbst die Tansanier zahlen diese Gebühr und vielleicht wird das Geld auch genutzt um den Wasserfall so zu erhalten wie er ist...
Auf jeden Fall werfen diese Entscheidungen sicher nicht das richtige Licht auf uns Weiße hier.
Wir halten uns viel zu lange an dem Wasserfall auf, es wird spät.
Als wir auf dem Rückweg wieder an die Straße kommen, entscheiden wir, auf ein erneuten Lifti zu warten.
Wir warten.
Und warten.
Und warten...
Und stellen fest, dass wir schon viel zu lange gewartet haben... es dauert nicht mehr lang bis zur Dämmerung. Also laufen wir doch wieder.
An einem Dorfplatz treffen wir auf zwei Tansanier mit Motorrädern und fragen nach einem Lift. Sie stimmen zu.
Wir, 5 Personen plus ein Rucksack (zum Glück haben wir heute nicht volles Gepäck dabei, sondern nur Marschverpflegung), zwängen uns auf zwei Motorräder. Felix und ich auf dem einen, der andere Felix mit Rucksack auf dem anderen. Wir fahren über eine Straße (wieder mehr Feldweg wie Straße) mit großen Steinen. Inzwischen ist es dunkel (Dunkel heißt: stockduster). Zum Glück funktionieren an beiden Motorrädern die Lichter – gar nicht so selbstverständlich.
Unser Fahrer redet was von einem „Shortcut“ und biegt auf einen Pfad ab. Es geht mitten durch eine Bananenplantage. Der Pfad ist so tief ausgelatscht, dass die Fußrasten fast an den Rändern schleifen.
Dann sind wir wieder auf einer Straße, die sogar noch schlimmer ist als die erste. Es liegen mehr und größere Steine herum. Slalom zu dritt auf einem Motorrad die tiefster Nacht und ohne Helm oder sonstigen Schutz. Wir sind nicht besonders schnell, aber das macht die Sache nicht besser – jeder Fahrradfahrer weiß: je langsamer, desto wackliger wird die ganze Angelegenheit. Schneller geht aber wegen der Steine nicht....
Jetzt klingelt auch noch das Handy unseres Fahrers. Dass er zwei Beifahrer hat und auf motorradunfreundlicher Strecke fährt, stört ihn nicht sonderlich. Und dass er keinen Helm auf hat, erleichtert das Telefonieren doch nur.
Er erwischt einen Stein. Das Hinterrad rutscht weg. Und... er fängt sich.
Glück gehabt.
Aber unser Fahrer ist lernfähig und steckt sein Telefon wieder weg.
Wir erreichen wohlbehalten den Highway. Von hier aus fahren wir mit einem Auto weiter.
Die Nacht verbringen wir bei einem befreundeten Priester von Father Sanga in Tukuyu. Gutes Essen und wieder umsonst schlafen. Es sollte nicht das letzte Mal sein, dass sich unser Kontakt zur katholischen Kirche hier auszahlt.
05.12.2009; Tukuyu – Mbambo
Auch an diesem Tag passiert nicht viel. Unser Ziel ist Mbaka (wer aufmerksam liest, dem fällt vielleicht der Unterschied zur Überschrift auf... Erklärung folgt sofort, einfach weiter lesen ;-) ), ein – laut Karte - doch recht großer Ort, den wir aber nie finden sollten. Der einzige Hinweis darauf, dass der Name vom Autor unseres Reiseführers (den Namen von Autor und Reiseführer nenne ich hier absichtlich nicht (an die Eingeweihten: ich habe nur einen...)) nicht frei erfunden ist, ist das Schild der Secondary School Mbaka. Vom Ort selbst sehen wir aber nichts.
Aber wir haben Glück: der nächste Ort, Mbambo, ist groß. Und, und nur das ist wichtig für uns, es gibt ein Guesthouse. Und was für eines.
Wir waren noch nie anspruchsvoll, aber hier haben wir die Definition des niedrigen Standards. Die Betten sind (viel) zu kurz, durchgelegen, die Fliegennetze löchrig und in einem „Gemeinschaftsraum“ des Guesthouses läuft ein Fernseher. Fußball. So laut, dass wir unser Bett auch gleich im Stadion hätten parken können...
Mitten in der Nacht fällt mein Lattenrost unvermittelt aus der Halterung. Ich will ihn wieder richtig hinlegen und stelle fest, dass er links und rechts nur etwa zwei Millimeter aufliegt. Das heißt für den Rest der Nacht: nicht mehr bewegen.
Bei meiner Reparaturaktion kann ich mich davon überzeugen, dass 1. unter dem Bett hier grundsätzlich nicht geputzt wird und 2. dass das Bett scheinbar auch öfters mal mehr als einer Person Platz bietet...
06.12.2009 Mbambo - Ipinda
Ich stelle fest, dass sich meine Wanderschuhe auflösen. Zum Glück gibt es in Mbambo aber eine gut sortierte Hardware-Duka, in dem ich genau das finde, was ich jetzt brauche: eine Tube Patex – zwar aus Kenia, aber „with German Technology“.
Zwar werde ich beim Frühstück ziemlich komisch angeschaut, als ich angefangen habe, meine Schuhe zusammen zu flicken, aber was soll's? Die Schuhe halten den Rest des Tages auf jeden Fall durch.
Wir sind inzwischen fast auf der Höhe des Sees, so langsam wird es heiß.
Bei unserer ersten kleinen Pause kommt ein Mann vorbei, der uns, nach kurzem Gespräch Mangos anbietet. Wir sitzen zwar unter einem Mangobaum, aber die reifen Früchte sind abgeerntet. Deshalb nehmen wir dankend an.
Der Mann verschwindet, um die Mangos zu holen. Und kommt erstmal nicht wieder.
In der Zwischenzeit läuft ein anderer alter Mann an uns vorbei. Er quietscht. Nein er hat keine rostige Prothese oder so. Er quietscht mit dem Mund, wann immer er das linke Bein bewegt...
Nach einer halben Stunde kommt unser Mango-Freund wieder. Mit geschätzten 2kg Mangos. Und die will er uns nicht etwa verkaufen, sondern schenken! Am Ende packen wir 6 der Mangos in unsere Rucksäcke...
In Ipinda sind wir, die weißen Wanderer, wie so oft DIE Attraktion – vor allem für die Kinder. Eine Gruppe von vielleicht 20 Kindern läuft uns hinterher und ruft Wazungu (etwa „Weiße“). Von vorne kommt uns eine Kuhherde entgegen... Eine ausweglose Situation...
Wir kommen an unserem heutigen Ziel, der katholischen Pfarrgemeinde Ipinda, an. Wieder einmal ein Resultat unserer Kontakte...
Beim Abendessen passiert etwas unerwartetes: Die Erde wackelt. Und zwar so, dass man zuschauen kann, wie sich die Hohen Wände des Esszimmers gegeneinander verschieben.
Das Beben hatte sein Epizentrum in Malawi, wo es zum Teil große Schäden angerichtet haben soll.
Nachbeben sollte es die nächsten Tage noch oft geben (bei 20 kleineren hab' ich aufgehört zu zählen).
Damit muss man eben rechnen, wenn man in einer Region herum spaziert, in der eine neue tektonische Platte entsteht...
07.12.2009; Ipinda – Matema
Der letzte Tag geht mit einem guten, üppigen Frühstück los.
Im Gepäck: eine Karte, die uns einer der Priester der Pfarrgemeinde am Vorabend gezeichnet hat. Sie ist mit vielen hilfreichen Hinweisen verziert, zum Beispiel steht an einem Weg „Do NOT use this way“. Warum, wollen wir natürlich wissen. „You would have to cross a river where crocodiles are living in...“
Wir nehmen also einen anderen Weg. Einen, der plötzlich an einem kleinen Tümpel endet. Kein Problem, hier gibt es ein ungewöhnliches Taxi: Einen Mann, der mit seinem Einbaum die Leute auf die andere Seite bringt.Wir laufen durch weitläufige Maniok-Felder immer weiter auf die Livingstone-Mountains zu. Und stehen plötzlich am Strand des Malawi-Sees. Könnte aber auch ein Meer sein. Der See ist riesig, es gibt sogar richtige Wellen. Auf der östlichen Seite fallen die Livingstone-Mountains direkt in den See ab.
Der See liegt auf 475 Metern ü. NN. Das heißt zum einen, dass wir einen Höhenunterschied von 2000 Metern zum höchsten Punkt unserer Wanderung haben und zum anderen, dass der Grund des Sees bei 700 Metern Tiefe 300 Meter unter dem Meeresspiegel liegt.
Auf dem See sind viele Fischer in ihren Einbäumen unterwegs, am Ufer waschen einige Frauen (Kleider, Kinder, Kochutensilien und sich selbst). Kinder spielen in der Brandung.
Wir steigen in einem Hotel ab, das zum groß´teil aus kleinen Hütten am Strand besteht.
7000TSZ (3,50€ !) pro Person und Nacht. Mit Frühstück.
Der Manager (übrigens der Bruder unseres Nachbars in Igawilo, wie sich später herausstellt) kann gar nicht glauben, dass wir die Strecke gelaufen sind und fragt: „Are you soldiers?“
Naja nicht ganz. Offiziere der ABC-Schützen vielleicht...
Alles in allem, ein Gesamtziel, das die vielen Kilometer zu Fuß auf jeden Fall wert war.
08.12.2009 bis 12.12.2009; Matema
Was haben wir in Matema dann gemacht?
Eigentlich nichts. Entspannen, genießen und sonst nicht viel.
Bei unserem Schnorchel-Trip haben wir wetterbedingt leider nicht viel von den farbenfrohen Fischen des Sees gesehen...
Dafür war der Rückweg lustig: mit dem Einbaum! Bei plötzlich einsetzendem Regen und damit verbundenen großen Wellen... Unser Einbaum war auf jeden Fall der einzige weit und breit, der nicht in Ufernähe blieb. Und vermutlich auch der einzige in dem die Weißen einmal selber helfen zu paddeln und sich nicht nur von dem Fischer fahren lassen. Wir sind auf jeden Fall aufgefallen.
Wer nach Matema will, sollte allerdings wissen, dass es dort nur am Abend zwischen 19 und 21 Uhr Strom gibt, weil dann das Krankenhaus im Ort den Generator anwirft und alles erledigt wird, für was man dort Strom braucht. Röntgen zum Beispiel...
Ein Hoch auf das kleine Solarladegerät, das sich in meinen Rucksack verirrt hat ;-)
Kommentare
Kommentar schreiben