Angriff der schwarzen Horden
Kampfbericht
07.04.2010
Nein, dieser Text driftet nicht nach rechts ab. Er handelt viel mehr überhaupt nicht von Menschen.
Wobei, um genau zu sein: Auf der einen Seite standen zwei Menschen und ein Kater.
Auf der anderen ein Gegner, dessen zahlenmäßige Überlegenheit einen Sieg unerreichbar erscheinen ließ.
Beginnen wir am Anfang:
Mittwoch Morgen letzter Woche.
Special Staff Meeting in der Schule. Der Headmaster, der das Meeting eine Woche zuvor angekündigt hatte, sagte, es beginne „saa moja“ - Die erste Stunde. Da er es auf Swahili gesagt hat, bin ich auch davon ausgegangen, dass es sich um die afrikanische Zeit handelt. Das heißt, alle Zeitangaben sind gegenüber unserer „normalen“ Zeit um 6 Stunden verschoben. „Saa moja“ wäre demnach 7 Uhr am Morgen.
Mit – für tansanische Verhältnisse – viel zu deutscher Pünktlichkeit standen wir um 7 am Morgen da.
Alleine.
Schließlich waren Osterferien, wer kommt da schon um 7 in die Schule?
Die Nachfrage per SMS bei einem der Lehrer ergab dann, dass es sich doch nicht um afrikanische Zeit gehandelt hatte. Der Headmaster meinte ein Uhr mittags...
Wer soll da noch durchblicken?
Das Meeting selbst ging mit einem großen Essen los. Viel und ausnahmsweise auch mal richtig lecker (gibt’s in der Schule nur selten) und das mitten in der Fastenzeit...
Danach ging es um die Ergebnisse der Form IV-Abschluss-Examen 2009, die nicht nur positiv waren (es gab an der ganzen Schule nur ein mal in einem Fach ein „A“...). Vorschläge zur Verbesserung der „Performance“ wurden abgegeben, ich bin gespannt, ob es besser wird.
Am Ende gab es für die Lehrer Geld. Zumindest für alle Form IV Lehrer. Dabei hingen die Beträge von den erreichten Noten der Schüler ab. „A“, „B“ und „C“ geben eine kleine Bonuszahlung.
Als Ansporn. Wer gut unterrichtet und gute Schüler hervorbringt bekommt mehr Geld.
Interessantes Modell.
Ob das wohl in Deutschland auch funktionieren würde?
Computer war übrigens kein Prüfungsfach.
Nach der Feier ging es wieder nach Hause. Ich wollte meinen Rucksack packen, um über die Ostertage wegzufahren. Meine Reise sollte erst nach Rungwe gehen, von dort aus nach Matema an den Malawi-See (Treuen Lesern kommen die Stationen vielleicht bekannt vor, diesmal ging es aber mit dem Bus zum Ziel ;-) ). In Matema sollten wir auf die Freiwilligen von Amani Kinderdörfer Verein aus Iringa und Mbeya und ihren Betreuer aus Deutschland treffen.
Aber der Reihe nach:
Dominic und ich kommen heim, ich richte meine Sachen zusammen. Plötzlich ein beißender Schmerz im Oberschenkel.
Dann noch einer in der Wade.
Und in der Seite.
Ameisen.
Ich frage Dominic ob er auch welche hat, er hatte zwei.
Ich habe mehr. Meine Vermutung: wir sind auf dem Heimweg über eine Ameisenstraße getrampelt.
Ich denke mir, ich habe keine Zeit für die kleinen Biester und werfe meine Klamotten in einen Eimer Wasser. Mich selber stelle ich unter die Dusche. Sollen sie doch kommen, die Ameisen...
Als ich aus der Dusche komme, bricht Dominic gerade auf, um einkaufen zu gehen.
Er kommt nicht weit. Die Hauswand, der Hof, einfach alles ist mit einem schwarzen wuselnden Teppich überzogen.
Ameisen.
Auch den Weg ins Haus haben sie schon gefunden. Ist auch nicht schwer, gibt ja überall Ritzen. Unser Kater steht außerhalb des Hofes und schreit. Und zappelt. Und schreit noch mehr. Traut sich ganz offensichtlich nicht, über die Ameisen zu laufen.
Verständlich, die kleinen Krabbler sind richtig aggressiv.
Der Hof ist von zum Teil erstaunlich tiefen Furchen durchzogen. Ameisenstraßen!
Man kann die Tierchen krabbeln hören. Und fressen. Der Kaktus neben unserer Haustüre scheint gut zu schmecken, man braucht keinen Zeitraffer, um zuschauen zu können, wie Schicht für Schicht - im wörtlichen Sinne – abgetragen wird.
Ich nehme den Kampf auf: zuerst mit Wasser.
Das bringt nur dort etwas, wo sich das Wasser sammelt. Weg gespülte Straßen werden sofort durch neue ersetzt.
Dann mit Kerosin. Die Dämpfe scheinen den Ameisen nicht gut zu tun, sie laufen nicht mehr dort, wo ich das Öl verschüttet habe.
Ich sitze in meiner Kerosin-Festung in der Haustüre und überlege, wie es weitergehen soll. Kerosin ist teuer und nicht unbegrenzt vorhanden, alles einreiben scheidet also aus.
Ich überlege weiter und beobachte, wie die Ameisen alles lebendige vernichten. Spinnen, die auf dem Kaktus hausten, werden überrannt und von vielen Ameisen brutal in viele kleine Stücke zerlegt und abtransportiert.
Die Dämpfe verfliegen nach einiger Zeit, die Ameisen kommen wieder.
Sie hinterlassen ein Ödland, verbrannte Erde...
Das ist die Lösung!
Feuer.
Dominic kommt nach vom Einkaufen wieder. Zusammen bauen wir – wieder ganz wörtlich – eine „Firewall“ auf. Kerosin und Papier.
Ich gehe in mein Zimmer, um Nachschub zu holen und finde Ameisen. Was sonst?!
Sie kommen durch die Außenwand. Sie machen sich nicht einmal die Mühe, sich durch meine gesprungene Fensterscheibe zu zwängen. Einfach mit dem Kopf durch die Wand.
Wie man Ameisen im Haus sicher ausbrennt, ohne die Bude abzufackeln schreibe ich hier lieber nicht.
(Liebe Kinder: Dieser Kampf wurde im Beisein eines Feuerwehrmannes und einer großen Menge bereitstehenden Wassers geführt. Bitte nicht zu hause nachmachen!)
Das bereitstehende Wasser war aber nicht nur zum löschen gut: Füße ins Wasser, schon kommen die Ameisen nicht mehr.
Der Kater rennt hin und her, klettert auf Bäume, kratzt sich, klettert höher und fällt herunter – in die Ameisen. Er rennt weiter, versucht, auf einen Strommasten zu klettern. Vergeblich.
Die Ameisen haben sehr schnell verstanden, dass man sich an Feuer die Fühler verbrennt und den Rückzug angetreten.
Ihre Zahl sank beachtlich, wir haben gewonnen!
Nach fast zwei Stunden Kampf gegen einen überzähligen Gegner.
Ich habe schnell gepackt und bin nach Rungwe aufgebrochen.
Zusammen mit Felix aus Songwe ging es in das Archiv der Missionstation. Und weit weg von allen Ameisen...
Was habt ihr über Ostern erlebt? ;-)
Wobei, um genau zu sein: Auf der einen Seite standen zwei Menschen und ein Kater.
Auf der anderen ein Gegner, dessen zahlenmäßige Überlegenheit einen Sieg unerreichbar erscheinen ließ.
Beginnen wir am Anfang:
Mittwoch Morgen letzter Woche.
Special Staff Meeting in der Schule. Der Headmaster, der das Meeting eine Woche zuvor angekündigt hatte, sagte, es beginne „saa moja“ - Die erste Stunde. Da er es auf Swahili gesagt hat, bin ich auch davon ausgegangen, dass es sich um die afrikanische Zeit handelt. Das heißt, alle Zeitangaben sind gegenüber unserer „normalen“ Zeit um 6 Stunden verschoben. „Saa moja“ wäre demnach 7 Uhr am Morgen.
Mit – für tansanische Verhältnisse – viel zu deutscher Pünktlichkeit standen wir um 7 am Morgen da.
Alleine.
Schließlich waren Osterferien, wer kommt da schon um 7 in die Schule?
Die Nachfrage per SMS bei einem der Lehrer ergab dann, dass es sich doch nicht um afrikanische Zeit gehandelt hatte. Der Headmaster meinte ein Uhr mittags...
Wer soll da noch durchblicken?
Das Meeting selbst ging mit einem großen Essen los. Viel und ausnahmsweise auch mal richtig lecker (gibt’s in der Schule nur selten) und das mitten in der Fastenzeit...
Danach ging es um die Ergebnisse der Form IV-Abschluss-Examen 2009, die nicht nur positiv waren (es gab an der ganzen Schule nur ein mal in einem Fach ein „A“...). Vorschläge zur Verbesserung der „Performance“ wurden abgegeben, ich bin gespannt, ob es besser wird.
Am Ende gab es für die Lehrer Geld. Zumindest für alle Form IV Lehrer. Dabei hingen die Beträge von den erreichten Noten der Schüler ab. „A“, „B“ und „C“ geben eine kleine Bonuszahlung.
Als Ansporn. Wer gut unterrichtet und gute Schüler hervorbringt bekommt mehr Geld.
Interessantes Modell.
Ob das wohl in Deutschland auch funktionieren würde?
Computer war übrigens kein Prüfungsfach.
Nach der Feier ging es wieder nach Hause. Ich wollte meinen Rucksack packen, um über die Ostertage wegzufahren. Meine Reise sollte erst nach Rungwe gehen, von dort aus nach Matema an den Malawi-See (Treuen Lesern kommen die Stationen vielleicht bekannt vor, diesmal ging es aber mit dem Bus zum Ziel ;-) ). In Matema sollten wir auf die Freiwilligen von Amani Kinderdörfer Verein aus Iringa und Mbeya und ihren Betreuer aus Deutschland treffen.
Aber der Reihe nach:
Dominic und ich kommen heim, ich richte meine Sachen zusammen. Plötzlich ein beißender Schmerz im Oberschenkel.
Dann noch einer in der Wade.
Und in der Seite.
Ameisen.
Ich frage Dominic ob er auch welche hat, er hatte zwei.
Ich habe mehr. Meine Vermutung: wir sind auf dem Heimweg über eine Ameisenstraße getrampelt.
Ich denke mir, ich habe keine Zeit für die kleinen Biester und werfe meine Klamotten in einen Eimer Wasser. Mich selber stelle ich unter die Dusche. Sollen sie doch kommen, die Ameisen...
Als ich aus der Dusche komme, bricht Dominic gerade auf, um einkaufen zu gehen.
Er kommt nicht weit. Die Hauswand, der Hof, einfach alles ist mit einem schwarzen wuselnden Teppich überzogen.
Ameisen.
Auch den Weg ins Haus haben sie schon gefunden. Ist auch nicht schwer, gibt ja überall Ritzen. Unser Kater steht außerhalb des Hofes und schreit. Und zappelt. Und schreit noch mehr. Traut sich ganz offensichtlich nicht, über die Ameisen zu laufen.
Verständlich, die kleinen Krabbler sind richtig aggressiv.
Der Hof ist von zum Teil erstaunlich tiefen Furchen durchzogen. Ameisenstraßen!
Man kann die Tierchen krabbeln hören. Und fressen. Der Kaktus neben unserer Haustüre scheint gut zu schmecken, man braucht keinen Zeitraffer, um zuschauen zu können, wie Schicht für Schicht - im wörtlichen Sinne – abgetragen wird.
Ich nehme den Kampf auf: zuerst mit Wasser.
Das bringt nur dort etwas, wo sich das Wasser sammelt. Weg gespülte Straßen werden sofort durch neue ersetzt.
Dann mit Kerosin. Die Dämpfe scheinen den Ameisen nicht gut zu tun, sie laufen nicht mehr dort, wo ich das Öl verschüttet habe.
Ich sitze in meiner Kerosin-Festung in der Haustüre und überlege, wie es weitergehen soll. Kerosin ist teuer und nicht unbegrenzt vorhanden, alles einreiben scheidet also aus.
Ich überlege weiter und beobachte, wie die Ameisen alles lebendige vernichten. Spinnen, die auf dem Kaktus hausten, werden überrannt und von vielen Ameisen brutal in viele kleine Stücke zerlegt und abtransportiert.
Die Dämpfe verfliegen nach einiger Zeit, die Ameisen kommen wieder.
Sie hinterlassen ein Ödland, verbrannte Erde...
Das ist die Lösung!
Feuer.
Dominic kommt nach vom Einkaufen wieder. Zusammen bauen wir – wieder ganz wörtlich – eine „Firewall“ auf. Kerosin und Papier.
Ich gehe in mein Zimmer, um Nachschub zu holen und finde Ameisen. Was sonst?!
Sie kommen durch die Außenwand. Sie machen sich nicht einmal die Mühe, sich durch meine gesprungene Fensterscheibe zu zwängen. Einfach mit dem Kopf durch die Wand.
Wie man Ameisen im Haus sicher ausbrennt, ohne die Bude abzufackeln schreibe ich hier lieber nicht.
(Liebe Kinder: Dieser Kampf wurde im Beisein eines Feuerwehrmannes und einer großen Menge bereitstehenden Wassers geführt. Bitte nicht zu hause nachmachen!)
Das bereitstehende Wasser war aber nicht nur zum löschen gut: Füße ins Wasser, schon kommen die Ameisen nicht mehr.
Der Kater rennt hin und her, klettert auf Bäume, kratzt sich, klettert höher und fällt herunter – in die Ameisen. Er rennt weiter, versucht, auf einen Strommasten zu klettern. Vergeblich.
Die Ameisen haben sehr schnell verstanden, dass man sich an Feuer die Fühler verbrennt und den Rückzug angetreten.
Ihre Zahl sank beachtlich, wir haben gewonnen!
Nach fast zwei Stunden Kampf gegen einen überzähligen Gegner.
Ich habe schnell gepackt und bin nach Rungwe aufgebrochen.
Zusammen mit Felix aus Songwe ging es in das Archiv der Missionstation. Und weit weg von allen Ameisen...
Was habt ihr über Ostern erlebt? ;-)
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