Fertig
03.08.2010
Was, schon rum?
Mit rasender Geschwindigkeit sind die letzten Wochen vergangen.
Und haben mir wieder einmal gezeigt, wie erschreckend schnell ein Jahr vorbeizieht.
Habe ich alles erledigt?
Alles gesehen und erlebt, was ich sehen und erleben wollte?
Habe ich meine Aufgaben ufriedenstellend erfüllt?
Und auch: habe ich alle Blog-Einträge verfasst, die ich schreiben wollte?
Natürlich nicht.
Ähnliche Fragen wie vor dem Abflug mit der gleichen ernüchternden Antwort. Und so stehe ich am Ende doch wieder am Anfang...
Der Startpunkt wird zum Ziel, alles dreht sich im Kreis.
Alles?
Nicht ganz.
Ich bin um viele Erfahrungen und Erlebnisse reicher, kann viele kleine - und auch große - Geschichten und Anekdoten aus einer Welt berichten, die so anders scheint als die, die wir gewhont sind - und eigentlich doch die gleiche ist.
Jetzt aber genug philosophiert und zurück in die Schule.
Positive Überraschungen
Nachdem nach den Ferien die Schüler (O-Level) endlich wieder alle da (dauert bekanntlich ja immer siene Zeit) und die Examen besprochen waren, blieben mir nur noch drei Wochen Unterricht. Drei Wochen heißt, drei mal Unterricht, sechs Doppelstunden, sechs mal 40 Minuten.
Was kann ich da noch machen?
In From 4 haben wir unser Thema vor den Ferien war abgeschlossen, ein fast reines Theoriethema.
Da ich in Form 4 nicht an den Lehrplan gebunden bin, konnte ich mir zum Abschluss frei ein schönes Thema ausdenken.
Meine Wahl fiel auf .... [Trommelwirbel] .... PowerPoint.
Nach einer kleinen Einführung habe ich die Schüler Gruppen bilden lassen, in denen sie Themen für Präsentationen bestimmen und diese auch im Team erstellen sollten.
Ich hatte den Schülern komplette Freiheiten gelassen, was die Themenwahl anging. Und die Schüler haben mich wirklich verblüfft. Dabei kamen Themen wie "Neo-Colonialism", "Tourism in Africa / Tanzania", "Malaria" oder auch "Settlement" heraus.
Ich hätte mit einfacheren Themen gerechnet, vielleciht über Musiker oder bei den Jungs über Fußball(er).
Aber die Ernüchterung kam schnell.
Zur Recherche habe ich den Schülern eine Wikipedia-Offline-Version installiert, die ich aus Songwe von unseren dortigen Kollegen bekommen habe. Einmal auf Englisch und einmal auf Kiswahili.
Die Schüler waren so fasziniert von der neuen Informationsquelle (bei uns an der Schule gibt es (noch) kein Internet), dass sie sich sofort in dem Meer der 10GB großen Wissensdatenbank verloren.
Da half alles Ermahnen nichts, an Präsentationen war schon lang nicht mehr zu denken...
Da sich aber Suchbegriffe wie "Michael Jackson", "FIFA", etc.schnell abgenutzt hatten und scih das Interesse der Schüler auf sinnvoller Artikel verlagerte, habe ich sie in ihrer neuen Welt des Wissens belassen. Und die Schüler haben es mir gedankt: mit intensivstem, hochkonzentriertem am-Thema-vorbei-Arbeiten.
Am Nachmittag war ich im Computerlab zu gange, als einer meiner Schüler herein kam und mich fragte, ob er einen Computer benutzen könnte. Klar, warum nicht.
Statt, wie sonst oft, wenn Schüler außerhalb des Unterrichts im Lab sind, den Unterrichtsstoff zu wiederholen, sinnlos herumzuklicken oder Spiele zu spielen, ging der Weg meines Besuchs zielstrebig wieder zurück in die Wikipedia: Unterrichtsrecherche zum Thema Zellteilung in Biologie.
Er hat das Potential erkannt und genutzt. Hoffentlich folgen die anderen Schüler bald seinem Beispiel.
Ach so, am Ende hat eine Gruppe (aus zwei Klassen Form 4) angefangen (!) eine Präsentation zu erstellen.
In meiner letzten Stunde habe ich in allen meiner Klassen kleine Zettel verteilt, auf der die Schüler kurze kommentare zu meinem Unterricht schreiben sollten. Bei kurz blieb es allerdings nicht. Viele haben weit mehr als einen Zettel beschrieben. Zum Lesen bin ich allerdings noch nciht gekommen. Werde ich aber so bald wie möglich nachholen.
Und täglich grüßt das Murmeltier - unsere offizielle Verabschiedung aus dem Schuldienst
Lezte Woche ist Dominic zum Headmaster gegangen, um zu fragen, ob die Schule geplant hat, uns offiziell zu verabschieden. Ja, hatte er.
Der Headmaster ging davon aus, dass wir erst am Samstag abreisen (oder so).
Wir haben ihm aber gesagt, dass wir schon freitag im Bus sitzen werden... Gut hat er vergessen, das kann passieren.
Dominics Wunsch, das ganze dann am Mittwoch stattfinden zu lassen, weil wir beide am Donnerstag noch einiges in der Stadt zu erledigen hatten. Das passte allerdings nicht in den Terminkalender des Headmasters.
Dann eben Kompromisslösung: Donnerstag morgens.
Wir sind also am Donnerstag in der Break Time in die Schule, mit Unterrichten waren wir schon am Mittwoch fertig. Da hieß es aber, es wird eine kleine Veranstaltung für uns geben - um 3 nachmittags!
nach einigem Druck-machen, hat die Schule, bzw der verantwortliche Lehrer nachgegeben und alles eine Stunde vorverlegt.
Da wir uns die tanzanisch-großzügige Zeiteinteilung noch immer nicht angewöhnt haben, saßen wir um kurz nach zwei (wir wissen ja inzwischen, dass Pünktlichkeit hier nicht groß geschrieben wird, also ein paar Minuten draufgegeben) in der Schule.
Und wir warten.
Und warten.
Und warten.
Und nichts passiert.
Nach einer halben Stunde erfahren wir, dass "Inspectors" vom Bildungsministerium gekommen sind. Unangekündigter Kontrollbesuch, da kann der Headmaster natürlich nicht weg...
Gut, dann eben warten.
Viertel vor drei sehen wir die Gesandten des Ministeriums abfahren. Einige Minuten später fährt auch der Headmaster weg.
Um 10 nach drei geht es dann los. Ohne Headmaster (der sich durch den Academic master vertreten lässt) und ohne Second Headmaster.
Die Zeremonie wurde denkenswerter weise recht kurz gehalten. Nicht dass wir uns nicht verabschieden wollten, aber wir hatten echt noch was einiges zu tun....
Kleine Ansprache von verschiedenen Lehrern, kleine Geschenke (Schnitzereien, ein afrikanisches T-Shirt und Tücher - toll) und dem Essen, waren wir endlich um halb 5 fertig.
Zum Abschluss nochmal richtig afrikanisch-chaotisch.
Während der Ansprachen meinte einer der Lehrer zu uns"...let it be the end of the beginning".
Womit wir wieder am Anfang wären.
Wie geht es jetzt weiter?
Ich werde ersteinmal noch in Tanzania bleiben – bis Anfang September. Allerdings werde ich nichtmehr an der Schule unterrichten, sondern mit Eltern und Schwestern noch hier im Land etwas herumreisen – und mich nocheinmal richtig und ausgiebig von allen verabschieden.
Ich hoffe ich finde ab und zu einen ruhigen Moment, in dem ich noch den ein oder anderen Eintrag verfassen kann. Es g'be noch so viele Dinge über die ich gerne schreiben würde.
Als kleinen Ansporn zum schreiben würde ich mich über kleine Kommmentare zu den Artikeln freuen.
Mit rasender Geschwindigkeit sind die letzten Wochen vergangen.
Und haben mir wieder einmal gezeigt, wie erschreckend schnell ein Jahr vorbeizieht.
Habe ich alles erledigt?
Alles gesehen und erlebt, was ich sehen und erleben wollte?
Habe ich meine Aufgaben ufriedenstellend erfüllt?
Und auch: habe ich alle Blog-Einträge verfasst, die ich schreiben wollte?
Natürlich nicht.
Ähnliche Fragen wie vor dem Abflug mit der gleichen ernüchternden Antwort. Und so stehe ich am Ende doch wieder am Anfang...
Der Startpunkt wird zum Ziel, alles dreht sich im Kreis.
Alles?
Nicht ganz.
Ich bin um viele Erfahrungen und Erlebnisse reicher, kann viele kleine - und auch große - Geschichten und Anekdoten aus einer Welt berichten, die so anders scheint als die, die wir gewhont sind - und eigentlich doch die gleiche ist.
Jetzt aber genug philosophiert und zurück in die Schule.
Positive Überraschungen
Nachdem nach den Ferien die Schüler (O-Level) endlich wieder alle da (dauert bekanntlich ja immer siene Zeit) und die Examen besprochen waren, blieben mir nur noch drei Wochen Unterricht. Drei Wochen heißt, drei mal Unterricht, sechs Doppelstunden, sechs mal 40 Minuten.
Was kann ich da noch machen?
In From 4 haben wir unser Thema vor den Ferien war abgeschlossen, ein fast reines Theoriethema.
Da ich in Form 4 nicht an den Lehrplan gebunden bin, konnte ich mir zum Abschluss frei ein schönes Thema ausdenken.
Meine Wahl fiel auf .... [Trommelwirbel] .... PowerPoint.
Nach einer kleinen Einführung habe ich die Schüler Gruppen bilden lassen, in denen sie Themen für Präsentationen bestimmen und diese auch im Team erstellen sollten.
Ich hatte den Schülern komplette Freiheiten gelassen, was die Themenwahl anging. Und die Schüler haben mich wirklich verblüfft. Dabei kamen Themen wie "Neo-Colonialism", "Tourism in Africa / Tanzania", "Malaria" oder auch "Settlement" heraus.
Ich hätte mit einfacheren Themen gerechnet, vielleciht über Musiker oder bei den Jungs über Fußball(er).
Aber die Ernüchterung kam schnell.
Zur Recherche habe ich den Schülern eine Wikipedia-Offline-Version installiert, die ich aus Songwe von unseren dortigen Kollegen bekommen habe. Einmal auf Englisch und einmal auf Kiswahili.
Die Schüler waren so fasziniert von der neuen Informationsquelle (bei uns an der Schule gibt es (noch) kein Internet), dass sie sich sofort in dem Meer der 10GB großen Wissensdatenbank verloren.
Da half alles Ermahnen nichts, an Präsentationen war schon lang nicht mehr zu denken...
Da sich aber Suchbegriffe wie "Michael Jackson", "FIFA", etc.schnell abgenutzt hatten und scih das Interesse der Schüler auf sinnvoller Artikel verlagerte, habe ich sie in ihrer neuen Welt des Wissens belassen. Und die Schüler haben es mir gedankt: mit intensivstem, hochkonzentriertem am-Thema-vorbei-Arbeiten.
Am Nachmittag war ich im Computerlab zu gange, als einer meiner Schüler herein kam und mich fragte, ob er einen Computer benutzen könnte. Klar, warum nicht.
Statt, wie sonst oft, wenn Schüler außerhalb des Unterrichts im Lab sind, den Unterrichtsstoff zu wiederholen, sinnlos herumzuklicken oder Spiele zu spielen, ging der Weg meines Besuchs zielstrebig wieder zurück in die Wikipedia: Unterrichtsrecherche zum Thema Zellteilung in Biologie.
Er hat das Potential erkannt und genutzt. Hoffentlich folgen die anderen Schüler bald seinem Beispiel.
Ach so, am Ende hat eine Gruppe (aus zwei Klassen Form 4) angefangen (!) eine Präsentation zu erstellen.
In meiner letzten Stunde habe ich in allen meiner Klassen kleine Zettel verteilt, auf der die Schüler kurze kommentare zu meinem Unterricht schreiben sollten. Bei kurz blieb es allerdings nicht. Viele haben weit mehr als einen Zettel beschrieben. Zum Lesen bin ich allerdings noch nciht gekommen. Werde ich aber so bald wie möglich nachholen.
Und täglich grüßt das Murmeltier - unsere offizielle Verabschiedung aus dem Schuldienst
Lezte Woche ist Dominic zum Headmaster gegangen, um zu fragen, ob die Schule geplant hat, uns offiziell zu verabschieden. Ja, hatte er.
Der Headmaster ging davon aus, dass wir erst am Samstag abreisen (oder so).
Wir haben ihm aber gesagt, dass wir schon freitag im Bus sitzen werden... Gut hat er vergessen, das kann passieren.
Dominics Wunsch, das ganze dann am Mittwoch stattfinden zu lassen, weil wir beide am Donnerstag noch einiges in der Stadt zu erledigen hatten. Das passte allerdings nicht in den Terminkalender des Headmasters.
Dann eben Kompromisslösung: Donnerstag morgens.
Wir sind also am Donnerstag in der Break Time in die Schule, mit Unterrichten waren wir schon am Mittwoch fertig. Da hieß es aber, es wird eine kleine Veranstaltung für uns geben - um 3 nachmittags!
nach einigem Druck-machen, hat die Schule, bzw der verantwortliche Lehrer nachgegeben und alles eine Stunde vorverlegt.
Da wir uns die tanzanisch-großzügige Zeiteinteilung noch immer nicht angewöhnt haben, saßen wir um kurz nach zwei (wir wissen ja inzwischen, dass Pünktlichkeit hier nicht groß geschrieben wird, also ein paar Minuten draufgegeben) in der Schule.
Und wir warten.
Und warten.
Und warten.
Und nichts passiert.
Nach einer halben Stunde erfahren wir, dass "Inspectors" vom Bildungsministerium gekommen sind. Unangekündigter Kontrollbesuch, da kann der Headmaster natürlich nicht weg...
Gut, dann eben warten.
Viertel vor drei sehen wir die Gesandten des Ministeriums abfahren. Einige Minuten später fährt auch der Headmaster weg.
Um 10 nach drei geht es dann los. Ohne Headmaster (der sich durch den Academic master vertreten lässt) und ohne Second Headmaster.
Die Zeremonie wurde denkenswerter weise recht kurz gehalten. Nicht dass wir uns nicht verabschieden wollten, aber wir hatten echt noch was einiges zu tun....
Kleine Ansprache von verschiedenen Lehrern, kleine Geschenke (Schnitzereien, ein afrikanisches T-Shirt und Tücher - toll) und dem Essen, waren wir endlich um halb 5 fertig.
Zum Abschluss nochmal richtig afrikanisch-chaotisch.
Während der Ansprachen meinte einer der Lehrer zu uns"...let it be the end of the beginning".
Womit wir wieder am Anfang wären.
Wie geht es jetzt weiter?
Ich werde ersteinmal noch in Tanzania bleiben – bis Anfang September. Allerdings werde ich nichtmehr an der Schule unterrichten, sondern mit Eltern und Schwestern noch hier im Land etwas herumreisen – und mich nocheinmal richtig und ausgiebig von allen verabschieden.
Ich hoffe ich finde ab und zu einen ruhigen Moment, in dem ich noch den ein oder anderen Eintrag verfassen kann. Es g'be noch so viele Dinge über die ich gerne schreiben würde.
Als kleinen Ansporn zum schreiben würde ich mich über kleine Kommmentare zu den Artikeln freuen.
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