Ferien
und etwas von der Zeit danach
24.02.2010
Ich hoffe, Ihr seid alle nicht allzu hart ins neue Jahr gerutscht. Mit dem Rutschen ist das in Deutschland im Moment ja so eine Sache... Was man hier an Schlagzeilen zu lesen kriegt, hört sich alles andere als gemütlich an.
Ich kann mir das hier gar nicht vorstellen – Schnee und so... Vor allem nicht da ich vor ca. einem Monat noch auf Sansibar im eigenen Saft weich gekocht wurde.
Ich weiß, ich bin mit meinem Bericht etwas im Verzug. Hat verschiedene Gründe. Anfang letzter Woche wäre eigentlich Release Date gewesen, aber ich habe mir scheinbar ein Virus eingefangen, das alle geöffneten Textdokumente mit non-sense gefüllt hat.
Ziemlich nervig, aber nach einem halben Jahr hier kenne ich inzwischen wahrscheinlich jedes Virus persönlich. Die Dateien konnte ich trotzdem nicht wiederherstellen. Jetzt kommt die manuelle Wiederherstellung: neu schreiben....
Ich habe mir recht lange überlegen müssen, wie ich den Text, der inzwischen 2 Monate (!) umfasst, sinnvoll verfassen kann, ohne dass er zu lang(-weilig) zum lesen wird.
Entschieden habe ich mich am Ende, nur die wichtigsten Stationen zu erwähnen und den Text so zu unterteilen, dass jeder lesen kann, was er/sie will.
Neue Bilder gibt’s in der Galerie (oder gleich mit den Links unter den einzelnen Berichten)
Inhalt:
- Matema – Der Weg ist das Ziel
- Konfuzius sagt: „Wenn du es eilig hast, gehe langsam.“
- Arusha – Stadt der Straßenhändler und Touri-Fänger
- Weihnachten – was ist das?!
- Arusha Nationalpark - „If they attack you, just lay down on the ground“
- Silvester – Feiern mit einer strikt getrennten Groß- (Riesen-) Familie
- Seminar auf Sansibar
- Sansibar - Touri-Programm
- Schule – Deshalb bin ich hier...
- Eine Tour durch Stone Town (zu den Bildern)
- Nachtmarkt
- Spice Tour (Eine Führung über eine Gewürzplantage, auf der man den berühmten Gewürzen Sansibars beim Wachsen zuschauen kann) (zu den Bildern)
- Schnorcheltripp
- und: Strand, Strand und – was war es nochmal? Genau: - Strand.
Matema – Der Weg ist das Ziel (01. - 12. Dezember 2009)
3 Wazungu. 130 Kilometer. 7 Tage. 6 Füße. 3 Rucksäcke. Ein Wille. Ein Weg.
Das sind die Grunddaten einer Wanderung, die jeden, dem wir davon erzählt haben, dazu veranlasste, uns für verrückt zu erklären.
Aber – trotz aller Hindernisse – haben wir wohlbehalten unser Ziel, Matema, einen kleinen Ort am Malawi-See, erreicht. Und für was? Wahrscheinlich geht die Tour (die weder besonders anspruchsvoll noch anstrengend war) in die lokalen Geschichtsbücher ein. Für uns war aber nur die Woche relaxen am Strand des Sees Antrieb und Ziel.
Wer genaueres wissen will, kann sich das vollständige „Tour-Tagebuch“ hier durchlesen.
(zu den Bildern)
Konfuzius sagt: „Wenn du es eilig hast, gehe langsam.“ (16. - 17. Dezember 2009)
...das sagte sich wohl auch die tansanisch-zambische Bahngesellschaft TAZARA – und ließ uns lange Stunden am Bahnsteig im Regen stehen (zeitweise sogar wörtlich).
Ohne Hoffnung auf Entschädigungen wie bei Verspätungen der DB blieb uns nur eines: warten.
Als der Zug dann endlich kam, konnte die Reise nach Osten losgehen.
Über eben diese Reise habe ich Mitte Dezember schon einen Bericht veröffentlicht. Wer ihn verpasst und/oder noch nicht gelesen hat, kann da hier nachholen.
Arusha – Stadt der Straßenhändler und Touri-Fänger
Im ungemütlich heißen Dar-es-Salaam habe ich es nicht lange ausgehalten.
Mit den beiden anderen Freiwilligen, die den Internationalen Bund hier in Tansania vertreten, bin ich an deren Freiwilligenstelle gefahren.
Die beiden arbeiten an einer – vergleichsweise – kleinen Schule in dem kleinen Dorf Kisongo in der nähe Arushas.
Arusha liegt im Norden Tansanias, nahe dem Kilimanjaro. Der Ort gehört zu den touristischsten, die ich hier in Tansania bisher kennen gelernt habe.
Neben unzähligen, zum teil äußerst dubiosen, Safari-Anbietern werden die Straßen von unzähligen Straßenhändlern bevölkert, die einem alles verkaufen. Vor allem Dinge, die keiner braucht...
Ich bin Mbeya gewohnt, in das sich seltenst ein Tourist verirrt. Die wenigen Straßenhändler hier kenne ich inzwischen namentlich. Aber auch ohne Kenntnis des Namens glauben sie einem, wenn man gerade nichts aus ihrem Angebot braucht.
Ganz anders die aufdringlichen Händler aus Arusha, die einem beim dritten Vorübergehen noch nicht glauben wollen, dass man ihren kitschigen Kilimanjaro-Safari-Hut nicht haben will.
Eigentlich wollte ich über die Schule der Beiden noch etwas schreiben, aber an dieser Stelle möchte ich auf ihren Blog verweisen. (Nein, ich kriege keine Provision für neue Leser ;-) )
Weihnachten – was ist das?! (24. -26. Dezember 2009)
Weihnachten mit einer tansanischen Familie. Hört sich gut an, oder?
Finde ich schon. Kam aber leider ganz anders.
Die Kinder der Gastfamilie, in der die beiden Aruscha-Freiwilligen leben, sind unerwarteter Weise über Weihnachten zu ihrer Oma gefahren. Und wir wollten auch einfach nicht so richtig in Weihnachtsstimmung kommen.
Wie auch? Temperaturen, die eher in Frühling oder Sommer passen (noch ist Regenzeit), Kakteen, Bananen und andere exotische Gewächse vor dem Fenster, und ein schiefer Plastikweihnachtsbaum im Esszimmer...
Wer da in Weihnachtsstimmung kommen kann: Glückwunsch.
Auch unsere Weihnachtskekse und die weihnachtlich geschmückte Kaktee konnten da nicht besonders viel helfen...
Arusha Nationalpark - „If they attack you, just lay down on the ground“ (29. Dezember 2009)
Der Arusha Nationalpark ist ein sehr kleiner und doch relativ unbekannter Nationalpark. Die großen Parks wie der Serengeti Nationalpark in der nähe haben eine viel größere Anziehungskraft auf Touristen als der beschauliche Park zwischen dem Kilimanjaro und dessen kleinen Bruder, dem Mt. Meru.
Aber dieser Park kann etwas bieten, was in den großen nicht möglich ist: Aus dem Auto aus zu steigen und eine Walking-Safari zu machen.
Zwar mit einem bewaffneten Ranger an der Seite, aber die Tiere wirken doch beeindruckender und echter, als wenn man nur im Auto daran vorüber fährt.
Der Sicherheitshinweis oben in der Überschrift kam von unserem Ranger, als wir vielleicht hundert Meter vor einer Büffelherde standen.
Liegt man am Boden, können die Büffel einen schon nicht mehr auf die Hörner nehmen. Wenn man dann nicht gerade tot getrampelt wird, ist der Tipp sogar recht brauchbar. Vor allem da der Ranger noch ergänzte: „Don't try to run away from them. They are faster than you.“
Das zum Beispiel passiert einem im Auto nicht.
Beeindruckender aber als die Büffel, fand ich die Giraffen. Die sind zwar nicht wirklich gefährlich und rennen lieber weg, als anzugreifen, aber wenn drei Schritt vor einem ein Hals vier Meter in den Himmel ragt und ein Paar Augen einen von oben misstrauisch anschaut, ist das beeindruckend.
Neben den Büffeln und den Giraffen kann der Park noch mit einer tollen Landschaft und vielen weiteren Tieren aufwarten, die in der Regel, aber niemanden wirklich nahe an sich heran lassen. Dazu gehören die Warzenschweine, Affen, Zebras und Antilopen verschiedenster Art (beide nur vom Auto aus).
Landschaftlich hat der Park so ziemlich jeden Landschaftstyp zu bieten: hohe Berge (der Mt. Meru mit über 4600m soll angeblich anspruchsvoller, weil steiler, als der Kilimanjaro sein. Kann ich aber nicht beurteilen.), leichte Hügel, Wälder, Grasland, Sümpfe, Seen.
Interessant sind die Seen. Nicht nur, da man auf ihnen eine Kanu-Safari machen kann, vor allem aber dadurch, dass jeder See einen anderen Salzgehalt hat. Und bietet damit ganz unterschiedlichen Tieren Lebensraum, die nur hundert Meter weiter im nächsten See nicht leben könnten, zum Beispiel weil das Nahrungsangebot nicht stimmt.
An einem der großen Seen (war, glaube ich mich erinnern zu können, einer der sehr salzigen) leben unzählige Flamingos, die ganze Uferstreifen rosa färben.
Alles in allem ein sehr empfehlenswerter Park, der jedem, der in die nähe Arushas kommt mindestens ein Tagesausflug wert sein sollte.
(zu den Bildern)
Silvester – Feiern mit einer strikt getrennten Groß- (Riesen-) Familie (Datum darf geraten werden ;-) )
Silvesterparty mit den Masaai. Fand ich ehrlich gesagt etwas enttäuschend aber doch recht interessant.
Ich habe eher traditionelle Tänze und ähnliches erwartet. Sah dann aber so aus, dass wir – die Gastfamilie, wir drei Freiwillige, zwei weitere deutsche Gäste und einer der Lehrer der Schule -ein gutes und üppiges Abendessen bekamen.
Später dann die Maasai.
Die Maasai heißt eigentlich: die fünf oder sechs Maasai-Frauen und deren ca. 30-40 Kinder. Die Männer (waren scheinbar mehrere, wenn ich es richtig verstanden habe, gehören die meisten Frauen trotzdem nur zu einem...) habe ich den ganzen Tag nicht zu Gesicht bekommen. Polygamie ist Tradition, feiern mit Geschlechtertrennung scheinbar auch.
Nachdem die Maasai dann auch ihr Essen bekommen hatten (und die Kinder selbiges in Minuten vernichteten) ging das große Warten los. Warten auf das neue Jahr.
Als es dann da war, ging alles ganz schnell: Die Frauen und Kinder sprangen auf, schreiend, singend und auf allem möglichen (v.a. Eimern) trommelnd, um so in Richtung des Ortes (die Schule liegt ca. einen Kilometer außerhalb) davon zu rennen.
(zu den Bildern)
Seminar auf Sansibar (04. - 08. Januar 2010)
Für mich und rund 20 andere Freiwillige aus Tansania und (einmal) aus Kenia fand das, vom weltwärts-Programm vorgesehene Zwischenseminar auf Sansibar statt.
Ich war am Anfang recht skeptisch, was das Seminar genau bringen und überhaupt sein soll. Vor allem war ich skeptisch, dass sich auf Sansibar am Strand überhaupt ein ernsthaftes Seminar durchführen lässt.
Aber wir haben es geschafft: 5 Tage Seminar unter Palmen und bei weißem Strand – mit sinnvollen Diskussionen und vielen neuen Ideen und Denkanstößen. Themen wie Entwicklungshilfe, das Leben in Tansania und mit Tansaniern, verschiedene Probleme in den Projekten und ein Netzwerk zwischen den deutschen Freiwilligen hier waren Thema.
Aber vermutlich glaubt mir jetzt keiner mehr, dass wir wirklich gearbeitet haben...
Sansibar – Touri-Programm (08. - 11. Januar 2010)
Kaum ist das Seminar vorbei, wollen wir jetzt aber auch etwas von der Insel sehen.
Und fangen auf dem Rückweg vom Seminarort nach Stone Town gleich damit an: Jozani Forest liegt praktischer Weise auch auf dem Weg.
Der kleine Nationalpark inmitten der Insel beherbergt zwar nicht viel verschiedenes, aber doch interessantes. Unter anderem werden in dem Reservat Dinge geschützt, die überhaupt nicht auf die Insel gehören. Eukalyptusbäume zum Beispiel...
Hauptatraktion für uns aber waren weder die Eukalyptus noch die Mangroven noch sonstige Bäume, sondern die wirkliche Besonderheit der Insel: die Affen.
Klar, Affen gibt es fast überall... Aber diese Affen gibt es nur auf Sansibar.
Der Rotkopf Guereza (oder Roter Colobusaffe; engl. Red Colobus Monkey) bevölkert fast ausschließlich das Gebiet des Jozani Forest Reservates (oder verschiedene Zoos in aller Welt). Wir haben die Gesellschaft der Affen auf jeden Fall der der Bäume vorgezogen.
Die kleinen lustigen Tiere legen ein erstaunlich menschliches Verhalten an den Tag: da wird um die beste Kokosnuss gekämpft, gespielt, gelaust (gut, habe ich bei Menschen jetzt noch nicht sooo oft beobachtet...), und so weiter.
Zu recht lustigen Situationen führt auch die Neugier der Tiere.
Offensichtlich an Touristen gewöhnt, lassen die Affen einen mit dem Foto ganz nahe an einen heran. Einer der Affen merkt auf einmal, wie gut man sich in dem großen Objektiv meines Fotos spiegeln kann, hebt den Foto an der Gegenlichtblende fest und schaut sich selbst ganz lange in die Augen. Vielleicht wollte er aber auch nur genau wissen, was für ein großes schwarzes Ding ihn da anschaut...
(zu den Bildern aus dem Wald)
Nach dem Jozani Forest haben wir genau das gemacht, was jeder Reiseführer den Touristen vorschreibt:
Erwähnenswert finde ich davon eigentlich nur noch den Nachtmarkt. Alles andere steht wirklich eins zu eins in jedem Reiseführer und ich will hier keinen neuen Reiseführer schreiben.
Die Forodhani Gardens („dh“ wird wie ein engl. „th“ gesprochen, wie das in „mother“) sind Tagsüber ein doch recht ruhiger Ort (zumindest als wir dort waren). Gepflegte Gartenanlage mit fast englischem Rasen direkt am Meer.
Am Abend aber ist es vorbei mit der Ruhe: unzählige kleine Stände werden aufgebaut, an denen man allerlei lokale Spezialitäten bekommen kann.
Meeresgetier (von „normalem“ Tunfisch über Hai, Hummer, Garnelen bis hin zu Tintenfisch), Sansibar Pizza (Pizzatasche, ähnlich wie Calzone), Mishkaki (Fleischspieße), Samosas und vieles (vieles!) mehr.
Damit die Bäuche der hungrigen Esser nicht nur mit Trockenfutter gefüllt werden, gibt es auch bei den Getränken eine Besonderheit: frisch gepressten Zuckerrohrsaft. Extrem süß und ernsthafte Konkurrenz für gewisse andere Zuckerwasseranbieter, die man natürlich auch hier findet.
Fazit: ich war bisher an keinem anderen Ort in diesem Land, an dem ich mir für Essen so viel Geld aus der Tasche hab ziehen lassen. Lohnt sich aber auf alle Fälle!
Schule – Deshalb bin ich hier...
Da Ferien nur Spaß machen, wenn man sich auch wieder darauf freuen kann und dafür zwangsläufig Arbeiten muss, sind wir – Dominic und ich – seit Mitte Januar wieder zurück an der Schule.
Inzwischen läuft auch der Unterricht wieder nach Plan. War am Anfang gar nicht so einfach: Von den wenigen Schüler, die pünktlich (damit meine ich in der ersten Woche nach Schuljahresbeginn) an der Schule erschienen, wurde ein großer Teil wieder nach Hause geschickt, weil die Schüler kein Schulgeld dabei hatten. Bis jetzt sind noch nicht alle Schüler da. Zum Beispiel habe ich in einer Klasse mit 52 Schülern angefangen. Jetzt geht die Namensliste bis 76...
Auch der Stundenplan war ein Problem: manche Klassen hatten keinen Unterricht, während andere 3mal so viel wie üblich hatten, Lehrer sollten laut Plan mehrere Klassen gleichzeitig unterrichten, und so weiter...
Naja, jetzt passt alles.
Leider haben wir nicht mehr Stunden bekommen, wie wir es eigentlich wollten und müssen noch immer mit allen Schülern an die Computer, aber es ist Besserung in Sicht:
Nach den Ferien haben wir aus aktuellem Anlass zuerst die gesamte Elektrik (bisher hingen alle Rechner an Mehrfachsteckdosen, die mehrfach hinter einander hingen. Wer in Physik aufgepasst hat, weiß dass das nicht allzu lange gut geht...) im Computer-Lab aufgebessert, jetzt ist das lang ersehnte Netzwerk dran. Die Unterschrift des (neuen - wieder einmal) Headmasters unter der offiziellen Anfrage haben wir schon :-)
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