Die ersten Tage
Über Anreise, Weiterreise und viel Herumreisen
Über eine Woche sind wir jetzt schon in Afrika.
Und es ist schon so viel passiert, dass ich nicht einmal zum Schreiben gekommen bin. Dafür kann ich jetzt umso mehr berichten.
Wir – das heißt Dominic, der mit mir in der Schule arbeiten wird, und ich – sind am Freitag den 7.8. in Dar es Salaam gelandet. Zusammen mit einigen „alten“ Freiwilligen und ihren Nachfolgern von den Amani-Kinderdörfern haben wir die nächsten Tage in Dar verbracht und uns die wichtigsten Plätze in der Stadt, wie zum Beispiel die deutsche Botschaft, zeigen lassen.
In Dar sind mir sofort zwei Dinge aufgefallen:
Erstens spielt sich hier (wie scheinbar im ganzen Land, zumindest hält sich der Eindruck nach vielen zurückgelegten Kilometern hartnäckig) das gesamte Leben auf den Straßen ab. Hier wird mit allem was sich verkaufen lässt (oder auch nicht...) gehandelt, gegessen, gelacht... Sogar ganze Werkstätten, in denen geschnitzt, gehämmert oder geschweißt wird, befinden sich auf den Gehwegen und am Straßenrand. Läden dienen scheinbar nur zum Füllen der unteren Etagen oder der den Straßen zugewandten Seiten der Häuser.
Zweitens wird im Straßenverkehr – vielleicht als Resultat aus „Erstens“ - die Hupe in jeder erdenklichen Situation eingesetzt. Egal ob als „Vorsicht, ich komme!“, „Platz da, ich will hier durch!“ oder als „Hallo, ich bin auch da!“.
Nachdem wir alle vermissten Gepäckstücke zurückbekommen hatten (waren in Kairo hängen geblieben) konnte es am Dienstag (11.08.) von Dar aus mit dem Bus weiter nach Iringa gehen.
Super Fahrt, aber lang...
Für die 18000 TZS (etwa 10€) gibt es neben der 9Stündigen Fahrt auf erstaunlich guten Straßen und Verpflegung in Form von Wasser, Saft und Keksen, die Möglichkeit, ohne die übertriebenen Preise zahlen zu müssen, durch mehrere Nationalparks zu kommen. Welches deutsche Busunternehmen kann da mithalten?
In einem der Nationalparks haben wir dann auch unser erstes afrikanisches (Groß-)Wild gesehen: Giraffen und Affen und andere standen einfach so am Straßenrand...
Wem die Inklusiv-Verpflegung im Bus nicht ausreicht muss während den 9 Stunden aber nicht hungern, ganz im Gegenteil: Sobald der Bus stoppt sei es an einem Toilettenhäuschen, einer der vielen Polizeikontrollen oder einer „Weightbridge“ (Fahrzeugwagen, die vor allem vor und nach Nationalparks zu finden sind), wird er sofort von Händlern mit Bauch- oder besser Kopfläden umringt. Hier kann man alles kaufen, was gegen Hunger und Durst hilft. Nüsse, gegrillten Mais, Kochbananen, Orangen Zuckerrohr, Süßigkeiten, gekühlte (!) Getränke...
Endlich in Iringa angekommen, haben wir – nach einigem Hin und Her („kommt zur Ruco Universität“ - „ich hol' euch beim Bus ab“ - „ich find's nicht, kommt zum Guesthouse“) - Father Innocent Sanga getroffen, den Mann, der für die Durchführung unseres Freiwilligendienstes hier in Tansania zuständig ist.
Fr. Sanga ist ein etwa 1,55m kleines Männlein mit etwas zu großem kurzärmligen Anzug, wachen Augen und einem Handy, das eigentlich die ganze Zeit ununterbrochen klingelt.
Unser erstes wirkliches Gespräch beim Abendessen ging um das deutsche Bier und dessen große Anzahl an verschiedenen Sorten („Oh realy? You have so many different types of beer? I'll try them all when I visit Germany!“).
Hier in Tansania gibt es, so hat er uns vorgerechnet, maximal 7 Sorten.
Am nächsten Tag (Mittwoch) ging es dann weiter nach Mbeya - unsere neue Heimat.
Aus dem kurzen Zwischenstopp („Just to say hello“) an der Schule, an der wir unterrichten werden, wurde schnell ein mehrstündiger Aufenthalt.
Fr. Sanga überließ uns einem jungen Geschichtslehrer, der uns durch die Schule und über das Schulgelände geführt und es offensichtlich genossen hat, durch die Begleitung zweier Weißer die ungeteilte Aufmerksamkeit der Lehrer, Schüler und Anwohner zu bekommen.
Nachmittags hat uns der Father mit in das „City Center“ von Mbeya genommen. Center scheint sich hier aber nur auf die geographische Mitte zu beziehen - es sieht genauso aus wie überall... Zumindest scheint es für uns (noch) so.
Abends waren wir bei der Abschiedsfeier von Samuel und Lukas in der Pandahill Secondary School in Songwe, einem Stadtteil von Mbeya. Die beiden haben hier, wie wir, als Computerlehrer gearbeitet und werden nun durch zwei neue Freiwillige, die wir auch gleich kennen lernen konnten, abgelöst.
Früh raus ging es dann am Donnerstag: Erster halt auf über 2000 m Höhe bei einer Priesterweihe.
Sehr interessant... Dass in Afrikanischen Kirchen sehr viel gesungen und auch getanzt wird, habe ich gewusst, aber dass ein frisch geweihter Priester Hühner, Ziegen und Speere geschenkt bekommt war mir neu...
Außerdem wurden wir einem großen Teil der Father der Region und dem Bischof von Mbeya vorgestellt (präsentiert?).
Kaum hatten wir uns nach dem Festessen (das auch nicht anders war als das Essen sonst...) ging es auch schon weiter in Richtung der Grenze zu Malawi. Hier wollte Father Sanga mit einem befreundeten Father Schulen besuchen.
Während der Fahrt von Mbeya haben wir gelernt, was eine richtige Straße ist.... bzw wir habe gelernt, woran man eine „Straße“ erkennt, die nur aus Schlaglöchern und Felsbrocken besteht und eigentlich keine Straße ist, erkennt.
Definitiv nicht familienfreundlich und nur für Leute mit gutem Magen...
Stundenlang haben wir uns über (wenig) Stock und (viel) Stein durch das Hochland des Ostafrikanischen Grabenbruchs schaukeln lassen.
Trotzdem sei ein Ausflug ins Grenzland jedem empfohlen, der sich einen erfahrenen (!) Fahrer mit allradgetriebenem Gefährt mit möglichst großer Bodenfreiheit und guten Stoßdämpfern leisten oder einem Pfarrer anschließen kann.
Wer touristisch völlig unerschlossene Reiseziele bevorzugt, kommt hier voll auf seine Kosten. In vielen Dörfern waren Dominic und ich DIE Attraktion schlechthin.
Vor allem Kinder, die vermutlich zum ersten Mal Weiße gesehen haben, liefen uns neugierig hinterher, oder brachten sich schnell vor uns hinter Mama in Sicherheit...
Die Schulen, die wir mit den beiden Pfarrern angeschaut haben, sind so abgelegen, dass man dort vielleicht unentdeckte Ureingeborenenstämme, aber sicher keine Schule erwartet hätte.
Hier fühlt man sich gleich um Jahrhunderte zurückversetzt. Das Mittelalter lässt grüßen...
Zumindest sind die Schulbücher (die, die wir gesehen haben...) aktuell.
Bildung in Mittelalter-Atmosphäre ist aber auf jeden Fall besser als keine Bildung.
Am Sonntag sind wir – nach dem wir die Nacht wieder in Mbeya verbracht hatten – mit den Kindern aus Fr. Sangas Kirchengemeinde zurück in die Berge gefahren um dort eine Gruppe Kinder aus einer anderen Kirchengemeinde zu treffen.
Diese Gruppen sind vielleicht vergleichbar mit der deutschen Jungschar, der KJG oder ähnlichen Kirchlichen Jugendgruppen.
Die Kinder haben sich gegenseitig (erstaunlich gut, aber auf Swahili) Theaterstücke vorgespielt, Tänze und Akrobatik gezeigt und miteinander gesungen.
Gestern durften wir dann zum ersten Mal in unser Haus. Zwar sind wir noch nicht eingezogen, aber erste Utensilien haben wir schon angeschafft. Vermutlich (hoffentlich!) werden wir heute Nachmittag einziehen.
Das Haus ist schön groß, frisch renoviert (stinkt bestialisch nach Farbe... :( ) und ist nur einen Steinwurf von der Schule entfernt. Unser Nachbar (Doppelhaushälfte) wird ein Englischlehrer sein, der an der selben Schule wie wir unterrichtet.
Jetzt gehen wir aber ersteinmal in die Stadt, um noch einige wichtige Dinge zu besorgen...
Erste Bilder (also mehr als die drei im Text) folgen bald... (dafür ist aber eine etwas bessere Internetverbindung nötig als ich sie im Moment zu Verfügung habe...)
Und es ist schon so viel passiert, dass ich nicht einmal zum Schreiben gekommen bin. Dafür kann ich jetzt umso mehr berichten.
Wir – das heißt Dominic, der mit mir in der Schule arbeiten wird, und ich – sind am Freitag den 7.8. in Dar es Salaam gelandet. Zusammen mit einigen „alten“ Freiwilligen und ihren Nachfolgern von den Amani-Kinderdörfern haben wir die nächsten Tage in Dar verbracht und uns die wichtigsten Plätze in der Stadt, wie zum Beispiel die deutsche Botschaft, zeigen lassen.
In Dar sind mir sofort zwei Dinge aufgefallen:
Erstens spielt sich hier (wie scheinbar im ganzen Land, zumindest hält sich der Eindruck nach vielen zurückgelegten Kilometern hartnäckig) das gesamte Leben auf den Straßen ab. Hier wird mit allem was sich verkaufen lässt (oder auch nicht...) gehandelt, gegessen, gelacht... Sogar ganze Werkstätten, in denen geschnitzt, gehämmert oder geschweißt wird, befinden sich auf den Gehwegen und am Straßenrand. Läden dienen scheinbar nur zum Füllen der unteren Etagen oder der den Straßen zugewandten Seiten der Häuser.
Zweitens wird im Straßenverkehr – vielleicht als Resultat aus „Erstens“ - die Hupe in jeder erdenklichen Situation eingesetzt. Egal ob als „Vorsicht, ich komme!“, „Platz da, ich will hier durch!“ oder als „Hallo, ich bin auch da!“.
Nachdem wir alle vermissten Gepäckstücke zurückbekommen hatten (waren in Kairo hängen geblieben) konnte es am Dienstag (11.08.) von Dar aus mit dem Bus weiter nach Iringa gehen.
Super Fahrt, aber lang...
Für die 18000 TZS (etwa 10€) gibt es neben der 9Stündigen Fahrt auf erstaunlich guten Straßen und Verpflegung in Form von Wasser, Saft und Keksen, die Möglichkeit, ohne die übertriebenen Preise zahlen zu müssen, durch mehrere Nationalparks zu kommen. Welches deutsche Busunternehmen kann da mithalten?
In einem der Nationalparks haben wir dann auch unser erstes afrikanisches (Groß-)Wild gesehen: Giraffen und Affen und andere standen einfach so am Straßenrand...
Wem die Inklusiv-Verpflegung im Bus nicht ausreicht muss während den 9 Stunden aber nicht hungern, ganz im Gegenteil: Sobald der Bus stoppt sei es an einem Toilettenhäuschen, einer der vielen Polizeikontrollen oder einer „Weightbridge“ (Fahrzeugwagen, die vor allem vor und nach Nationalparks zu finden sind), wird er sofort von Händlern mit Bauch- oder besser Kopfläden umringt. Hier kann man alles kaufen, was gegen Hunger und Durst hilft. Nüsse, gegrillten Mais, Kochbananen, Orangen Zuckerrohr, Süßigkeiten, gekühlte (!) Getränke...
Endlich in Iringa angekommen, haben wir – nach einigem Hin und Her („kommt zur Ruco Universität“ - „ich hol' euch beim Bus ab“ - „ich find's nicht, kommt zum Guesthouse“) - Father Innocent Sanga getroffen, den Mann, der für die Durchführung unseres Freiwilligendienstes hier in Tansania zuständig ist.
Fr. Sanga ist ein etwa 1,55m kleines Männlein mit etwas zu großem kurzärmligen Anzug, wachen Augen und einem Handy, das eigentlich die ganze Zeit ununterbrochen klingelt.
Unser erstes wirkliches Gespräch beim Abendessen ging um das deutsche Bier und dessen große Anzahl an verschiedenen Sorten („Oh realy? You have so many different types of beer? I'll try them all when I visit Germany!“).
Hier in Tansania gibt es, so hat er uns vorgerechnet, maximal 7 Sorten.
Am nächsten Tag (Mittwoch) ging es dann weiter nach Mbeya - unsere neue Heimat.
Aus dem kurzen Zwischenstopp („Just to say hello“) an der Schule, an der wir unterrichten werden, wurde schnell ein mehrstündiger Aufenthalt.
Fr. Sanga überließ uns einem jungen Geschichtslehrer, der uns durch die Schule und über das Schulgelände geführt und es offensichtlich genossen hat, durch die Begleitung zweier Weißer die ungeteilte Aufmerksamkeit der Lehrer, Schüler und Anwohner zu bekommen.
Nachmittags hat uns der Father mit in das „City Center“ von Mbeya genommen. Center scheint sich hier aber nur auf die geographische Mitte zu beziehen - es sieht genauso aus wie überall... Zumindest scheint es für uns (noch) so.
Abends waren wir bei der Abschiedsfeier von Samuel und Lukas in der Pandahill Secondary School in Songwe, einem Stadtteil von Mbeya. Die beiden haben hier, wie wir, als Computerlehrer gearbeitet und werden nun durch zwei neue Freiwillige, die wir auch gleich kennen lernen konnten, abgelöst.
Früh raus ging es dann am Donnerstag: Erster halt auf über 2000 m Höhe bei einer Priesterweihe.
Sehr interessant... Dass in Afrikanischen Kirchen sehr viel gesungen und auch getanzt wird, habe ich gewusst, aber dass ein frisch geweihter Priester Hühner, Ziegen und Speere geschenkt bekommt war mir neu...
Außerdem wurden wir einem großen Teil der Father der Region und dem Bischof von Mbeya vorgestellt (präsentiert?).
Kaum hatten wir uns nach dem Festessen (das auch nicht anders war als das Essen sonst...) ging es auch schon weiter in Richtung der Grenze zu Malawi. Hier wollte Father Sanga mit einem befreundeten Father Schulen besuchen.
Während der Fahrt von Mbeya haben wir gelernt, was eine richtige Straße ist.... bzw wir habe gelernt, woran man eine „Straße“ erkennt, die nur aus Schlaglöchern und Felsbrocken besteht und eigentlich keine Straße ist, erkennt.
Definitiv nicht familienfreundlich und nur für Leute mit gutem Magen...
Stundenlang haben wir uns über (wenig) Stock und (viel) Stein durch das Hochland des Ostafrikanischen Grabenbruchs schaukeln lassen.
Trotzdem sei ein Ausflug ins Grenzland jedem empfohlen, der sich einen erfahrenen (!) Fahrer mit allradgetriebenem Gefährt mit möglichst großer Bodenfreiheit und guten Stoßdämpfern leisten oder einem Pfarrer anschließen kann.
Wer touristisch völlig unerschlossene Reiseziele bevorzugt, kommt hier voll auf seine Kosten. In vielen Dörfern waren Dominic und ich DIE Attraktion schlechthin.
Die Schulen, die wir mit den beiden Pfarrern angeschaut haben, sind so abgelegen, dass man dort vielleicht unentdeckte Ureingeborenenstämme, aber sicher keine Schule erwartet hätte.
Hier fühlt man sich gleich um Jahrhunderte zurückversetzt. Das Mittelalter lässt grüßen...
Zumindest sind die Schulbücher (die, die wir gesehen haben...) aktuell.
Bildung in Mittelalter-Atmosphäre ist aber auf jeden Fall besser als keine Bildung.
Am Sonntag sind wir – nach dem wir die Nacht wieder in Mbeya verbracht hatten – mit den Kindern aus Fr. Sangas Kirchengemeinde zurück in die Berge gefahren um dort eine Gruppe Kinder aus einer anderen Kirchengemeinde zu treffen.
Diese Gruppen sind vielleicht vergleichbar mit der deutschen Jungschar, der KJG oder ähnlichen Kirchlichen Jugendgruppen.
Die Kinder haben sich gegenseitig (erstaunlich gut, aber auf Swahili) Theaterstücke vorgespielt, Tänze und Akrobatik gezeigt und miteinander gesungen.
Gestern durften wir dann zum ersten Mal in unser Haus. Zwar sind wir noch nicht eingezogen, aber erste Utensilien haben wir schon angeschafft. Vermutlich (hoffentlich!) werden wir heute Nachmittag einziehen.
Das Haus ist schön groß, frisch renoviert (stinkt bestialisch nach Farbe... :( ) und ist nur einen Steinwurf von der Schule entfernt. Unser Nachbar (Doppelhaushälfte) wird ein Englischlehrer sein, der an der selben Schule wie wir unterrichtet.
Jetzt gehen wir aber ersteinmal in die Stadt, um noch einige wichtige Dinge zu besorgen...
Erste Bilder (also mehr als die drei im Text) folgen bald... (dafür ist aber eine etwas bessere Internetverbindung nötig als ich sie im Moment zu Verfügung habe...)
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